Was für eine Wortart ist „morgen“? Ein linguistischer Streifzug
Die Frage nach der Wortart des kleinen Wörtchens „morgen“ gehört zu den absoluten Klassikern im Deutschunterricht. Auf den ersten Blick wirkt die Sache simpel, doch je genauer man hinschaut, desto spannender wird die deutsche Grammatik. Das liegt vor allem daran, dass sich hinter demselben Klangbild zwei völlig unterschiedliche grammatikalische Identitäten verbergen können.
Um die Frage präzise zu beantworten, müssen wir uns ansehen, wie das Wort im Satz verwendet wird. Die deutsche Sprache unterscheidet hier strikt zwischen zwei Hauptrollen: dem Adverb und dem Nomen (Substantiv).
1. Die Rolle als Adverb (Kleinschreibung)
Meistens begegnet uns das Wort, wenn wir über den Tag sprechen, der direkt auf den heutigen folgt.
Beispiel:
„Ich gehe morgen einkaufen.“ Grammatikalische Funktion:
In diesem Fall handelt es sich um ein lokales beziehungsweise temporales Adverb (genauer gesagt: ein Zeitwort oder Umstandswort der Zeit). Es drückt aus, wann etwas stattfindet. Merkmal:
Als echtes Adverb wird es kleingeschrieben (solange es nicht am Satzanfang steht). Du kannst es leicht erkennen, indem du es durch ein anderes Zeitwort wie „heute“ oder „übermorgen“ ersetzt.
2. Die Rolle als Nomen (Großschreibung)
Das Wort kann aber auch eine ganz andere Bedeutung annehmen und die frische Tageszeit zu Beginn des Tages beschreiben.
Beispiel:
„Ich wünsche dir einen guten Morgen.“ Grammatikalische Funktion:
Hier haben wir es mit einem Nomen bzw. Substantiv zu tun. Merkmal:
Tageszeiten werden im Deutschen grundsätzlich großgeschrieben. Zudem verrät dir die Probe mit einem Artikel (wie der Morgen, einen Morgen oder am Morgen), dass es sich hierbei eindeutig um ein Hauptwort handelt.
Der Sonderfall: Die Kombination „heute Morgen“
Besonders knifflig wird es oft bei Kombinationen wie „heute Morgen“.
Wirst du im Alltag oft durch solche Stolpersteine in der deutschen Rechtschreibung verunsichert oder hilft dir die Grammatik-Analyse meistens weiter?
Der Stolperstein der Groß- und Kleinschreibung
Die Bestimmung der Wortart von „morgen“ hat direkte Auswirkungen auf die deutsche Rechtschreibung.
Das Adverb:
„Ich reise morgen ab.“ (klein, da es sich auf den Tag nach heute bezieht) Das Substantiv:
„Guten Morgen!“ oder „am frühen Morgen“ (groß, da ein Artikel oder Begleiter die Nominalisierung anzeigt)
Hilfreiche Proben für die Praxis
Um im Schreiballtag fehlerfrei zu bleiben, helfen zwei einfache sprachliche Prüfmethoden:
Die Ersatzprobe:
Lässt sich das Wort durch „übermorgen“ oder „gestern“ austauschen, liegt eindeutig das Adverb vor. Die Begleiterprobe:
Kann ein Artikel (der, einen) oder ein Pronomen (jeden, diesem) vorangestellt werden, handelt es sich um das Substantiv.
Merke: Sobald eine Präposition mit einem Artikel verschmilzt (wie bei am für an dem), folgt zwingend ein Substantiv – daher schreibt man „am Morgen“ groß.
Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen: „Morgen“ ist ein klassisches Beispiel dafür, wie stark die Wortart von der konkreten Funktion im Satz abhängt. Die doppelte Existenz als flexibles Adverb und substanzielles Nomen verlangt Schreibenden Aufmerksamkeit ab, lässt sich aber durch feste Begleiter- und Ersetzungsregeln problemlos meistern.
Haben Sie in Ihrem eigenen Texten schon einmal gezweifelt, ob Sie das Wort groß- oder kleinschreiben müssen?
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