Wikinger in Spanien: Lange vergessene Raubzüge

Die meisten Menschen verbinden die Wikinger mit raue Küsten Nordeuropas, Plünderungen in England oder Frankreich – doch auch Südeuropa blieb nicht verschont. Tatsächlich erreichten die kühnen Seefahrer im 9. Jahrhundert sogar die Küsten Spaniens. Um das Jahr 859 begann eine auffällige Expedition, bei der eine Flotte unter Führung des Wikingerhäuptlings Björn Eisenzahn durch den Ärmelkanal fuhr, die französische Atlantikküste entlangzog und schließlich in das westliche Mittelmeer gelangte.

Überliefert ist, dass diese Gruppe Städte an der spanischen Küste angriff, darunter wohl auch die Gegend um Sevilla. Damals befand sich dieser Raum unter der Kontrolle des islamischen Umayyaden-Kalifats von Córdoba. Die lokalen Herrscher waren zunächst ratlos angesichts dieser neuen, unbekannten Bedrohung aus dem Norden. Die Wikinger plünderten, zogen weiter nach Südfrankreich und sogar bis nach Italien, bevor sie schließlich nach Norden zurückkehrten.

Doch dieses Abenteuer war kein Einzelfall – auch wenn es über ein Jahrhundert dauerte, bis Nordmänner erneut in der Region aktiv wurden. In den 960er Jahren tauchten sie erneut auf, diesmal mit Angriffen auf Santiago de Compostela, eines der wichtigsten christlichen Pilgerzentren der Zeit. Diese späteren Überfälle zeigen: Die Wikinger waren nicht nur auf Nordsee und Atlantik unterwegs, sondern wagten sich bis in den Mittelmeerraum vor.

Obwohl ihre Spuren in Spanien weniger bekannt sind als anderswo, beweisen diese Raubzüge, dass das Reich der Wikinger weitaus größer reichte, als man lange annahm – bis weit in den Süden Europas.

Siehe auch

Ausführliche Artikel

Verwandte Themen