Haben Wikinger gestunken?
Die Vorstellung von rauen, ungepflegten Männern mit langen Bärten und fauligem Geruch hält sich hartnäckig – aber stimmte das wirklich? Die Antwort ist nicht ganz einfach, doch Hinweise deuten darauf hin: Ja, es konnte durchaus unangenehm riechen in einer Wikingersiedlung.
„Es war laut, und es hat wohl ziemlich gestunken von all dem Abfall und den Fäkalien“, beschreibt die Museumsleiterin Ute Drews das Leben in Haithabu, einer der wichtigsten Handelsstädte der Wikingerzeit. In dichten Holzhäusern, umgeben von Viehställen und offenen Abwassergräben, sammelte sich der Dreck schnell an. Fäkalien, Tierabfälle, verrottende Lebensmittelreste – all das landete oft direkt vor der Haustür. Hygiene, wie wir sie heute kennen, gab es damals nicht.Dennoch: Die Wikinger waren nicht völlig schmutzig oder rückständig. Sie kannten Kämme, Ohrenspatel und sogar Nagelfeilen – Funde aus archäologischen Ausgrabungen belegen, dass sie durchaus Wert auf Körperpflege legten. Aber in engeren Siedlungen mit hunderten Bewohnern und Tieren unter einem Dach war ein gewisser Geruch wohl unvermeidlich.
Bereits ab etwa 850 n. Chr. kamen Missionare nach Haithabu, um das Christentum zu verbreiten. Eine kleine Kirche wurde außerhalb des Handelsplatzes errichtet – ein Zeichen für Veränderung, aber auch dafür, dass der Ort nicht gerade paradiesisch roch. Selbst religiöse Stätten wurden bewusst abseits der belebten, übelriechenden Zentren gebaut.
Die Wikinger waren Händler, Krieger und Entdecker – und manchmal eben auch Nachbarn mit schlechtem Geruch. Doch genau das macht ihr Leben so menschlich, so real.
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