Wo das Christkind wirklich herkommt

Das Christkind – mit goldenen Locken, weißem Rauschgewand und oft auf leisen Sohlen durch die Stube schwebend – ist für viele der Inbegriff der besinnlichen Weihnachtszeit. Doch viele wissen nicht: Diese liebliche Figur ist gar nicht so alt, wie man meinen könnte. Sie stammt aus dem 16. Jahrhundert und war ursprünglich eine ganz bewusste protestantische Erfindung.

Zur Zeit der Reformation lehnten viele Protestanten die Verehrung von Heiligen ab – dazu gehörte auch der Nikolaus, der nach katholischem Verständnis als Bischof und Wunderwirkender galt. Um die Bescherung dennoch gebührend zu feiern, suchte man nach einer alternativen Figur. Die Antwort war das Christkind – ein symbolischer Engel, der die Geburt Jesu verkündet und die Geschenke bringt. Martin Luther selbst hatte vorgeschlagen, die Aufmerksamkeit auf das „heilige Christ“ zu lenken, also auf das Kind in der Krippe.

Ironischerweise wurde das Christkind im Laufe der Zeit vor allem in katholisch geprägten Regionen wie Bayern, Österreich oder der Schweiz besonders beliebt. Dort, wo man eigentlich den Nikolaus hätte erwarten können, übernahm das zarte Wesen mit der Krone die Hauptrolle am Heiligen Abend. Selbst heute noch bringen viele Familien die Geschenke „vom Christkind“ – obwohl kaum jemand weiß, dass die Figur ein Produkt der Reformation ist.

So zeigt sich: Traditionen wandeln sich. Was einst als theologische Abgrenzung begann, wurde zu einem zentralen Symbol der gemütlichen Weihnachtsfeier – weit über die Konfessionsgrenzen hinaus.

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