Ist Aramäisch die Sprache von Jesus?
Die Frage, welche Sprache Jesus von Nazaret tatsächlich gesprochen hat, beschäftigt Historiker und Theologen seit Jahrhunderten. Historische und linguistische Belege deuten stark darauf hin, dass Aramäisch die Hauptsprache Jesu und seiner Jünger im Palästina des ersten Jahrhunderts war.
Ursprünglich war Hebräisch die vorherrschende Sprache in der Region. Nach dem babylonischen Exil verdrängte das Aramäische jedoch zunehmend das Hebräische im Alltag und entwickelte sich zur allgemeinen Umgangssprache (Verkehrssprache) im Nahen Osten. Zur Zeit Jesu wurde Hebräisch vor allem noch als Sakralsprache im Tempel und bei der Schriftlesung in den Synagogen verwendet, während Aramäisch die Sprache des Volkes, des Marktes und der Familie war.
Der deutlichste Beweis dafür findet sich im griechisch verfassten Neuen Testament. Dort sind an mehreren Stellen die originalen aramäischen Worte überliefert, die Jesus in Schlüsselmomenten benutzte. Bekannte Beispiele sind „Abba“ (Vater/Papa), „Golgota“ (Schädelstätte) und der Ruf „Maranatha“ (Unser Herr, komm!). Auch der berühmte Ausruf am Kreuz, „Eloi, Eloi, lema sabachtani?“ (Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?), ist eindeutig aramäisch.
Neben dem Aramäischen und Hebräischen kam Jesus durch den damaligen Kulturraum vermutlich auch mit dem Griechischen in Kontakt, das als Verwaltungssprache des Römischen Reiches diente. Doch im alltäglichen Leben und bei seinen Predigten sprach Jesus mit seiner Gemeinde sehr wahrscheinlich Aramäisch, in einem spezifisch galiläischen Dialekt.
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