Ist Hypochondrie eine Neurose? Ein Blick auf die Psychologie
Der Begriff Hypochondrie löst bei vielen Menschen sofort Bilder von ständiger Krankheitsangst und exzessivem Googeln von Symptomen aus. Doch wie wird diese Störung aus psychologischer Sicht eigentlich eingeordnet? Ist Hypochondrie eine klassische Neurose?
Historisch gesehen hat die Beschäftigung mit dieser Störung eine lange Tradition. Bereits in der Antike beschrieb der Arzt Galen die Hypochondrie im Rahmen seiner Melancholie-Lehre als ein eigenständiges Krankheitsbild. Jahrhunderte später griff Sigmund Freud, der Begründer der Psychoanalyse, das Phänomen erneut auf. Er deutete die ausgeprägte Angst vor körperlichen Erkrankungen als eine sogenannte narzisstische Neurose. In der klassischen Psychoanalyse verstand man darunter Störungen, bei denen die psychische Energie (Libido) von der Außenwelt abgezogen und massiv auf das eigene Ich – oder in diesem Fall auf den eigenen Körper – gelenkt wird.
In der modernen Psychologie und Psychiatrie hat sich diese Sichtweise jedoch grundlegend gewandelt. Heute wird Hypochondrie zumeist nicht mehr als eine isolierte, eigenständige Neurose im klassischen Sinne betrachtet. Stattdessen versteht man sie vielmehr als eine krankhafte psychische Störung, die eng mit dem Spektrum der Angststörungen oder den somatoformen Störungen verwandt ist.
Die Betroffenen leiden unter einer tiefgreifenden Fehlinterpretation normaler Körperfunktionen. Eine harmlose Veränderung des Herzschlags oder ein leichtes Ziehen im Kopf werden sofort als Anzeichen einer lebensbedrohlichen Erkrankung gedeutet. Die moderne Verhaltenstherapie setzt genau hier an: Es geht nicht mehr um das Aufdecken alter neurotischer Konflikte, sondern darum, den Teufelskreis aus Angst, körperlicher Hyperaufmerksamkeit und ständiger Rückversicherung zu durchbrechen.
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