Gewöhnung an chronische Schmerzen: Ein weitverbreiteter Irrglaube
Viele Menschen glauben fälschlicherweise, dass man sich mit der Zeit an chronische Schmerzen gewöhnt, wenn sie nur lange genug anhalten. Medizinisch und biologisch ist genau das Gegenteil der Fall. Unser Nervensystem gewöhnt sich niemals an Dauerbelastung durch Schmerz.
Das Paradoxe an chronischen Schmerzen ist vielmehr, dass anhaltende Beschwerden zu immer mehr und länger andauerndem Schmerz führen. Anstelle einer erhofften Gewöhnung – in der Fachsprache Habituation genannt – kommt es im Körper zu einer massiven Steigerung der Empfindlichkeit. Mediziner sprechen hierbei von einer Sensitivierung.
Hinter diesem Prozess steckt das sogenannte Schmerzgedächtnis. Wenn Nervenfasern über einen langen Zeitraum hinweg ständig Schmerzsignale an das Gehirn senden, verändern sich die Nervenzellen dauerhaft. Sie schalten auf Daueralarm und reagieren schon bei geringsten Reizen überempfindlich. Das Schmerzsystem verselbstständigt sich, sodass der Schmerz schließlich unabhängig vom ursprünglichen Auslöser bestehen bleibt.
Deshalb ist es so wichtig, chronische Schmerzen ernst zu nehmen und frühzeitig gegenzusteuern, anstatt zu versuchen, sie einfach nur zu ertragen oder darauf zu warten, dass sich der Körper daran anpasst.
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