Sind ETFs wirklich liquide?

Die Frage nach der Liquidität von ETFs beschäftigt viele Anleger – besonders in unsicheren Marktphasen. Auf den ersten Blick wirken ETFs wie Aktien: Sie werden an der Börse gehandelt, haben einen laufend aktualisierten Kurs und können jederzeit gekauft oder verkauft werden. Doch laut Analysen von J.P. Morgan Asset Management täuscht dieser Eindruck leicht – denn echte Liquidität ist komplexer, als oft angenommen.

Zwar kann man ETF-Anteile grundsätzlich täglich handeln, aber die tatsächliche Liquidität hängt stark vom zugrundeliegenden Markt ab. Ein ETF auf große US-Blue-Chip-Aktien wie den S&P 500 ist meist sehr handelbar. Doch was ist mit einem ETF, der auf wenig gehandelte Schwellenländeranleihen oder kleine Technologieaktien setzt? Hier kann es bei Marktturbulenzen zu größeren Kursabweichungen oder engen Orderbüchern kommen.

Ein entscheidender Punkt: Die Liquidität eines ETFs ergibt sich nicht nur aus seinem Handelsvolumen, sondern auch aus der Struktur des zugrundeliegenden Portfolios. Market Maker und sogenannte Authorised Participants sorgen zwar durch die Schaffung und Rücknahme von Anteilscheinen für Stabilität, doch diese Mechanismen funktionieren nur, wenn auch die Basiswerte selbst ausreichend handelbar sind.

Daher lautet die Kernaussage: ETFs sind formal liquide, weil man sie an der Börse verkaufen kann. Aber in der Praxis hängt die Qualität dieser Liquidität vom Underlying ab. Wer in exotische oder illiquide Märkte investiert, sollte sich bewusst sein, dass auch der dazugehörige ETF in Stressphasen weniger flexibel sein kann.

Ein fundiertes Verständnis dieser Unterschiede hilft Anlegern, realistische Erwartungen zu setzen – besonders, wenn es darauf ankommt.

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