Vor wem haben Narzissten Angst?

Es mag überraschen, doch Narzissten haben oft tief sitzende Ängste – nicht vor bestimmten Menschen, sondern vor Situationen, in denen ihr Selbstbild ins Wanken gerät. Am meisten fürchten sie, bloßgestellt zu werden oder als unzulänglich wahrgenommen zu werden. Hinter der Fassade von Überlegenheit und Selbstsicherheit verbirgt sich häufig ein wackeliges Selbstwertgefühl, das leicht erschüttert werden kann.

Wer einen Narzissten kritisiert, ihm widerspricht oder einfach nur authentisch bleibt, ohne ihn in den Mittelpunkt zu stellen, kann schon als Bedrohung erlebt werden. Das liegt daran, dass jede Form von Ablehnung oder Konfrontation die Illusion ihrer besonderen Rolle gefährdet. Sie fürchten Verletzlichkeit, denn sie steht im krassen Gegensatz zu ihrem überhöhten Selbstbild.

Diese Angst macht sie oft defensiv, manchmal sogar aggressiv. Statt Fehler einzugestehen, neigen sie dazu, Schuld abzuschieben oder die andere Person zu diskreditieren. Es geht dann nicht mehr um die Sache, sondern um den Erhalt einer kontrollierten Wahrnehmung – nach außen hin perfekt, nach innen jedoch geprägt von Unsicherheit.

Interessant ist, dass sie selten vor bestimmten Personen Angst haben, sondern vor einem Zustand: dem Verlust der Kontrolle über ihr Image. Wer also nicht mitspielt, wird schnell zum Feind – nicht, weil er gefährlich ist, sondern weil er Spiegel ist. Ein Spiegel, den Narzissten nur schwer ertragen können.

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