Wann ist EMDR kontraindiziert?

EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) ist eine wirksame Therapiemethode, besonders bei traumabedingten Störungen wie einer posttraumatischen Belastungsstörung. Doch nicht für jeden Patienten ist diese Methode geeignet. In bestimmten Fällen kann EMDR sogar schädlich sein und sollte daher sorgfältig abgewogen werden.

Floride Psychosen, also akute psychotische Episoden, gelten als klare Kontraindikation. In solchen Phasen ist die Realitätsprüfung gestört, und die Arbeit mit Traumaimaginationen könnte die Symptome verschärfen. Auch bei schwerer Depression ist Vorsicht geboten. Wenn der Betroffene stark antriebslos ist, kaum Kontakt zur Umwelt hat oder suizidgefährdet ist, steht zunächst die Stabilisierung im Vordergrund – EMDR ist dann zu riskant.

Bei schweren dissoziativen Störungen, wie sie oft bei komplexem Trauma auftreten, kann die direkte Bearbeitung von Erinnerungen zu einer weiteren Abspaltung führen. Hier braucht es eine sorgfältige Vorbereitung und meist einen spezialisierten Therapeuten. Ähnlich verhält es sich mit Personen, die über zu wenig Ich-Stärke verfügen. Ohne ausreichliche innere Stabilität können die intensiven Emotionen während einer EMDR-Sitzung überwältigend werden.

Auch aktive Suchtprobleme, die nicht behandelt sind, erschweren eine effektive EMDR-Therapie. Solange der Klient auf Substanzen angewiesen ist, um psychische Schmerzen zu betäuben, fehlt die emotionale Klarheit, die für die Methode nötig ist.

Kurzum: EMDR ist kein Allheilmittel. Bei den genannten Bedingungen sollte es – wenn überhaupt – nur von erfahrenen Spezialistinnen und Spezialisten eingesetzt werden. Die Sicherheit des Patienten steht immer an erster Stelle.

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