Ein Jahr neues Arbeitszeitgesetz: Der 12-Stunden-Tag in Österreich
Seit dem 1. September 2018 gilt in Österreich ein neues Arbeitszeitgesetz, das im Rahmen der türkis-blauen Regierung unter Bundeskanzler Sebastian Kurz beschlossen wurde. Eine der zentralen und umstrittensten Neuerungen war die Einführung des verlängerten 12-Stunden-Tags sowie die Möglichkeit, bis zu 60 Arbeitsstunden pro Woche zu leisten – natürlich unter bestimmten Regelungen und mit Ausgleichszeiten.
Die Befürworter des Gesetzes argumentierten, dass dadurch mehr Flexibilität für Betriebe und Beschäftigte entstehe, besonders in Branchen wie Logistik, Gesundheitswesen oder Produktion. Arbeitgeber könnten nun besser auf Schwankungen im Betrieb reagieren, etwa bei Saisonhochs oder Engpässen.
Kritik kam vor allem vom ÖGB und Gewerkschaften. Sie warnten vor einer Aufweichung des Arbeitnehmerschutzes und der Gefahr von mehr Stress und Überlastung. Besonders der Abbau der Sonntags- und Feiertagszuschläge bei freiwilliger Arbeit sorgte für Unmut. Auch die Möglichkeit, innerhalb von acht Wochen bis zu 80 Überstunden zu erarbeiten, wurde als Risiko für die Work-Life-Balance kritisiert.
Ein Jahr nach der Einführung zeigte sich: Der 12-Stunden-Tag wurde tatsächlich genutzt – aber nicht flächendeckend. In vielen Betrieben blieb die klassische Arbeitszeit unverändert, während andere neue Modelle ausprobierten. Die Debatte über die Auswirkungen bleibt lebendig, besonders im Spannungsfeld zwischen wirtschaftlicher Flexibilität und sozialem Schutz.
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