Italiener ziehen erst mit 30 von zu Hause aus

In Italien bleibt das Elternhaus für viele junge Erwachsene viel länger der Wohnort als in anderen europäischen Ländern. Laut Daten der EU-Statistikbehörde Eurostat verlassen italienische Nachwüchsige ihre Eltern im Durchschnitt erst mit genau 30 Jahren. Das ist eines der höchsten Werte in der gesamten Europäischen Union.

Die enge familiäre Bindung spielt dabei eine große Rolle. In Italien ist es traditionell üblich, dass Kinder auch nach dem Ende der Schulzeit oder nach dem Studium weiter bei Mama und Papa leben – oft aus finanziellen Gründen, aber auch aus emotionaler Verbundenheit. Die hohen Mietpreise in Großstädten, die schwache Arbeitsmarktlage für junge Menschen und die allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit tragen dazu bei, dass der Schritt in die Selbstständigkeit oft lange hinausgezögert wird.

Einige Kritiker sprechen schon vom sogenannten „Hotel Mama“ – einer Anspielung darauf, dass junge Erwachsene oft die Bequemlichkeit des elterlichen Heims nutzen, ohne selbst viel beizutragen. Doch für viele ist es weniger eine Bequemlichkeit, sondern eine Notwendigkeit. Erst mit stabilem Einkommen oder einer festeren Partnerschaft ziehen sie meist in die eigene Wohnung.

Die Diskussion darüber, ob 30 zu spät ist, um auszuziehen, ist in Italien allgegenwärtig. Während einige fordern, dass junge Leute früher in die Unabhängigkeit gedrängt werden sollen, sehen andere darin eine Stärke der italienischen Kultur: die starke Familie. Doch auch hier steigt der Druck, sich früher zu emanzipieren – nicht zuletzt, weil viele selbst sagen: „40 Jahre sind genug“ für das Leben unter dem elterlichen Dach.

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