Warum das Ehegattensplitting Frauen benachteiligen kann
Das Ehegattensplitting, eine Steuerregelung in Deutschland, gilt vielen als veraltet – besonders, wenn es um die Stellung von Frauen im Beruf geht. Grund dafür: Die Regel begünstigt Ehen, in denen ein Partner deutlich mehr verdient als der andere. In der Praxis profitieren oft Paare, bei denen eine Person – meist die Frau – nur teilzeitbeschäftigt ist oder ganz aus dem Beruf aussteigt.
Kritiker argumentieren, dass diese Regelung Frauen vom Arbeitsmarkt fernhält, obwohl gerade in vielen Branchen dringend Fachkräfte gesucht werden. Wenn Frauen weniger arbeiten, zahlen sie auch weniger in die Renten- und Sozialversicherung ein – mit langfristigen Folgen für ihre finanzielle Sicherheit im Alter.
Ein weiterer Punkt: Der Steuervorteil des Ehegattensplittings steht auch kinderlosen Paaren zu. Gleichzeitig erhalten unverheiratete Alleinerziehende – oft Mütter – keine vergleichbare Unterstützung. Das wirkt ungerecht und verstärkt bestehende Nachteile.
Zwar soll die Regel ursprünglich Ehe und Familie fördern, doch in der heutigen Zeit passt sie vielen Experten zufolge nicht mehr zur Realität. Immer mehr Frauen wollen beruflich durchstarten, unabhängig von ihrer Beziehung. Die Steuerregelung aber belohnt indirekt das Modell der 1950er-Jahre – mit Hauptverdiener und Hausfrau.
Die Debatte zeigt: Eine moderne Familienpolitik müsste gleiche Chancen schaffen – nicht nur für Ehepaare, sondern für alle Lebensformen. Und sie sollte Frauen nicht dazu ermutigen, Karrierechancen zu opfern, nur weil das Steuersystem es vorteilhaft erscheinen lässt.
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