Warum gehen die Deutschen so oft zum Arzt?

Häufig hört man die Behauptung, die Menschen in Deutschland würden im internationalen Vergleich übermäßig oft eine Arztpraxis aufsuchen. Doch ein genauerer Blick auf die Daten des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI) zeigt, dass dieser Trend keineswegs grundlos ist. Die hohe Zahl der Arztkontakte lässt sich im Wesentlichen durch zwei Hauptfaktoren erklären: Morbidität und das steigende Lebensalter.

Ein besonders interessantes Muster zeigt sich beim Geschlechtervergleich. Frauen gehen statistisch gesehen deutlich häufiger zum Arzt als Männer. Bis zum 65. Lebensjahr verzeichnen sie pro Jahr durchschnittlich 6,5 Arztkontakte mehr. Dies liegt unter anderem an Vorsorgeuntersuchungen, Schwangerschaften und einer generell ausgeprägteren Gesundheitsvorsorge in jüngeren und mittleren Jahren.

Im hohen Alter verschiebt sich dieses Bild jedoch. Mit zunehmenden chronischen Erkrankungen und gesundheitlichen Beschwerden im Alter gleicht sich die Frequenz an, und auch Männer nehmen das medizinische System intensiver in Anspruch. Zudem ist das deutsche Gesundheitssystem durch das Hausarztprinzip und den freien Zugang zu Spezialisten so strukturiert, dass Überweisungen und Kontrolltermine die Anzahl der Besuche ganz natürlich erhöhen. Die Häufigkeit der Arztbesuche ist somit kein Zeichen von Scheu oder übertriebener Sorge, sondern das Resultat einer alternden Gesellschaft und eines engmaschigen, gut zugänglichen Versorgungssystems.

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