Warum heißt es „vor Christus“ und „nach Christus“?

Die Bezeichnungen „vor Christus“ (v. Chr.) und „nach Christus“ (n. Chr.) stammen aus der christlichen Zeitrechnung. Sie orientieren sich an der Geburt Jesu Christi, die als zentraler Zeitpunkt gilt. Alles, was vor dieser Geburt geschah, wird als „vor Christus“ bezeichnet, alles Danach als „nach Christus“.

Die Idee, die Jahre so zu teilen, geht auf den Mönch Dionysius Exiguus aus dem 6. Jahrhundert zurück. Er wollte ein neues Datumssystem schaffen, das sich am Leben Jesu orientiert. Er schätzte, dass Christus im Jahr 1 unserer Zeitrechnung geboren wurde – heutzutage glauben Historiker jedoch, dass es eher zwischen 6 und 4 vor Christus gewesen sein könnte. Doch das ändert nichts an der Einteilung.

Ein Beispiel:

Das Jahr 1989 ist demnach „1989 nach Christus“ – also 1989 Jahre nach der angenommenen Geburt Jesu. Wenn ein Ereignis dagegen im Jahr 100 vor Christus stattfand, bedeutet das, es lag 100 Jahre vor diesem gedachten Nullpunkt.

Heute wird in wissenschaftlichen und internationalen Kontexten oft statt „v. Chr.“ und „n. Chr.“ die neutralere Formulierung „vor unserer Zeitrechnung“ (v. Z.) und „unserer Zeitrechnung“ (u. Z.) verwendet. Doch die ursprüngliche Einteilung ist nach wie vor verbreitet – etwa in Geschichtsbüchern, Kalendern oder bei der Datumsangabe alter Funde.

Obwohl die Einteilung religiösen Ursprungs ist, hat sie sich weltweit als Referenz durchgesetzt – ein Zeichen dafür, wie stark die europäische Geschichte die moderne Zeitwahrnehmung geprägt hat.

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