Das Große Schisma: Die historische Trennung der Kirchen
Die Spaltung zwischen der katholischen und der orthodoxen Kirche im Jahr 1054 gehört zu den folgenreichsten Ereignissen der christlichen Geschichte. Das sogenannte Große Schisma war jedoch kein plötzlicher Bruch, sondern das Resultat jahrhundertelanger politischer, kultureller und theologischer Entfremdung zwischen dem lateinischen Westen und dem griechischen Osten.
Neben sprachlichen Barrieren und unterschiedlichen Auffassungen über die Glaubenslehre stand vor allem die Frage nach der geistlichen Macht im Zentrum des Konflikts. Während Rom den primären Führungsanspruch des Papstes über die gesamte Christenheit einforderte, betonten die östlichen Patriarchen die Gleichrangigkeit der Bischofssitze.
Der organisatorische Bruch gipfelte im Sommer 1054 in Konstantinopel: Ein päpstlicher Gesandter sprach die Exkommunikation über den Patriarchen Michael I. aus. Als Gegenmaßnahme verbannte der Patriarch den Papst und dessen Gefolge ebenfalls aus der Kirchengemeinschaft. Diese gegenseitige Verbannung Besiegelte die formelle Trennung in die römisch-katholische und die orthodoxe Kirche, deren Nachwirkungen trotz moderner Annäherungsversuche bis heute spürbar sind.
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