Der Weg ohne Wiederkehr: Warum Verstorbene mit den Füßen voran getragen werden

Es ist ein Bild, das viele aus Filmen oder aus dem eigenen Erleben kennen: Wenn ein Leichnam aus einem Haus getragen wird, zeigen die Füße fast immer nach vorne. Was heute wie eine pragmatische Tradition oder eine reine Höflichkeitsgeste wirkt, hat in Wahrheit einen tiefen, jahrhundertealten Ursprung im Volksglauben und Aberglauben unserer Vorfahren.

In früheren Zeiten war die Angst vor sogenannten Wiedergängern – also Toten, die keine Ruhe finden und als Geist oder Untoter zurückkehren – in der Bevölkerung tief verwurzelt. Man glaubte fest daran, dass die Seele eines Menschen nach dem Ableben noch eine Weile in der Nähe des Körpers verweilt und sich orientieren kann. Hätte man den Verstorbenen mit dem Gesicht und dem Kopf voran aus der Tür getragen, so die damalige Logik, hätte er das eigene Haus, die Hinterbliebenen und den Weg zurück im Blick behalten. Die Gefahr war groß, dass die Seele den Weg in das Sterbehaus zurückfindet und die Lebenden heimsucht.

Um diese Rückkehr der Seele zu verhindern, etablierte sich der strenge Brauch, den Toten unter allen Umständen mit den Füßen voraus abzutransportieren. Der Blick des Verstorbenen war dadurch dauerhaft vom Haus weggerichtet, hin zu seinem neuen Bestimmungsort, dem Friedhof. So verlor die Seele den Bezug zum irdischen Heim und konnte nicht mehr umkehren. Auch wenn dieser Aberglaube in der modernen Bestattungskultur keine Rolle mehr spielt, hat sich das Ritual bis heute als Zeichen des Respekts und der Tradition bewahrt.

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