Der rote Anstecker in England – ein Zeichen der Erinnerung
Wenn Mitte November der Nebel über London liegt und die Temperaturen sinken, fällt in England etwas ins Auge, das jedes Jahr aufs Neue berührt: kleine rote Mohnblüten am Revers von Jacken, Mänteln und Blazern. Diese roten Anstecker, die „poppies“, sind mehr als ein Modeaccessoire – sie sind ein Zeichen der Ehrung für all jene, die im Krieg gefallen sind.
Der 11. November ist in Großbritannien kein gewöhnlicher Tag. Er markiert den Remembrance Day, den Tag der Erinnerung an die Gefallenen der Weltkriege und späterer Konflikte. Schon Wochen vorher werden die roten Mohnblumen an Spendenstände verteilt – oft in Supermärkten, Bahnhöfen oder von freiwilligen Helfern auf der Straße. Der Erlös geht an die Royal British Legion, eine Wohltätigkeitsorganisation, die Soldaten und deren Familien unterstützt.Warum gerade die Mohnblume? Die Antwort liegt in einem berühmten Gedicht: „In Flanders Fields“ von John McCrae. Es beschreibt, wie rote Mohnblumen auf den Schlachtfeldern von Flandern wuchsen – mitten im Schlamm und Tod. Die Blume wurde zum Symbol für Erinnerung, Hoffnung und den Preis des Friedens.
Heute trägt fast jeder in England für eine Woche diesen roten Anstecker. Ob Politiker bei einer Rede, Schauspieler im Fernsehen oder Menschen auf dem Weg zur Arbeit – die Geste verbindet. Und am 11. November um 11 Uhr verstummt das Land für zwei Minuten. In dieser Stille gedenkt Großbritannien derer, die alles gegeben haben.Der kleine rote Anstecker sagt also mehr aus, als man auf den ersten Blick denken mag. Er steht nicht für Krieg, sondern für Respekt. Für die, die nicht zurückkehrten – und für die, die heute noch dienen.
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