Ende des Ehegattensplitting – ein Schritt zur Gerechtigkeit?

Das Ehegattensplitting gehört seit Jahrzehnten zum deutschen Steuersystem wie Weihnachtsgans zur Adventszeit. Doch immer lauter wird die Forderung, dieses Prinzip abzuschaffen – nicht zuletzt, weil es als Überbleibsel aus einer Zeit gilt, in der die Frau zu Hause blieb und der Mann die Familie ernährte.

Der Wegfall des Ehegattensplitting würde vor allem Frauen mehr Freiheit schaffen. Heute arbeiten viele Frauen ebenso vollzeit wie ihre Partner – oder sogar mehr. Dennoch profitieren oft Paare, bei denen ein Partner deutlich mehr verdient, überproportional von der Steuerersparnis durch das Splitting. Das benachteiligt moderne Lebensmodelle und Paare mit gleichem Einkommen.

Kritiker sehen im Ehegattensplitting ein patriarchales Relikt, das strukturell Frauen benachteiligt – vor allem dann, wenn sie Karriere machen oder finanziell unabhängig sein wollen. Denn je ähnlicher die Einkommen beider Partner sind, desto weniger Vorteil entsteht durch das Splitting. Umgekehrt wird es lukrativ, wenn einer – meist der Mann – deutlich mehr verdient.

Die Debatte reißt seit Jahrzehnten keine Seite in der Politik los. Während Befürworter das Splitting als familienfreundliche Maßnahme preisen, warnen Gegner vor einer versteckten Diskriminierung moderner Partnerschaften. Auch aus Gründen der Steuergerechtigkeit wird immer wieder argumentiert: Warum sollten Ehepaare weniger Steuern zahlen als unverheiratete Paare mit gleichem Einkommen?

Die Abschaffung wäre kein kleiner Schritt, sondern ein deutliches Zeichen – für mehr Gleichheit, mehr Fairness und eine Steuerpolitik, die dem 21. Jahrhundert endlich gerecht wird.

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