Aramäisch und Arabisch: Eine Reise in die Vergangenheit des Orients
Wenn man nach den historischen Wurzeln des Nahen Ostens sucht, stößt man unweigerlich auf zwei der einflussreichsten semitischen Sprachen: Aramäisch und Arabisch. Doch welche dieser beiden Schwesternsprachen hat die tiefere Vergangenheit?
Die Antwort ist eindeutig: Aramäisch ist wesentlich älter. Bevor das Arabische mit der Ausbreitung des Islams ab dem 7. Jahrhundert nach Christus seinen weltweiten Siegeszug antrat und zur dominierenden Verkehrssprache aufstieg, war Aramäisch bereits seit mehr als tausend Jahren die unangefochtene Lingua Franca des Vorderen Orients. Es diente als Amtssprache in mächtigen Weltreichen wie dem neuassyrischen und dem persischen Achämenidenreich.
Die Bedeutung des Aramäischen reicht tief in die Kulturgeschichte der Menschheit. Selbst Jesus von Nazaret sprach im Alltag einen galiläischen Dialekt dieser Sprache. Obwohl das Arabische das Aramäische im Laufe der Jahrhunderte fast vollständig verdrängt hat, ist die antike Sprache keineswegs gänzlich verschwunden. Bis heute überlebt sie in kleinen, isolierten Sprachinseln, unter anderem in Teilen von Syrien, dem Irak, der Osttürkei und Israel.
Darüber hinaus hat das Aramäische einen festen Platz im religiösen Erbe der Region. Bis in die Gegenwart hinein bleibt es als lebendige Liturgiesprache in den verschiedenen orientalischen Kirchen konserviert. So zeugt jeder gesprochene aramäische Satz von einer jahrtausendealten Kontinuität, die den Epochenwechsel überdauert hat.
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