Wie endet Goethes „Faust“?

Am Ende von Goethes zweitem Teil der „Tragödie“ steht eine zentrale Aussage, die das ganze Werk zusammenfasst. Faust, nach einem Leben voller Suche, Irrtum und unermüdlichem Streben, wird nicht – wie es der Pakt mit Mephistopheles vermuten ließe – der Hölle überlassen. Stattdessen entscheiden drei Engel über sein Schicksal.

„Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen“ – diese Worte (Zeile 11936 f.) bilden das moralische Fundament des Endes. Faust wird nicht wegen seiner Taten bewertet, sondern wegen seines unstillbaren Drangs, immer weiterzukommen, zu erfahren, zu wirken. Selbst in seinen Fehlern bleibt er suchend, niemals selbstzufrieden. Genau dieses Streben, diese innere Unruhe, macht ihn erlöbenswert.

Goethe zeigt hier keine Religion im kirchlichen Sinne, sondern eine tief menschliche Botschaft: Der Mensch ist nicht durch seine Fehler verloren, solange er nicht aufhört, sich zu bemühen. Fausts Rettung geschieht nicht durch fromme Reue, sondern durch gelebte Leidenschaft, durch den Willen, über sich hinauszuwachsen. Mephistopheles, der Verführer, unterliegt letztlich, weil er Faust’ inneres Feuer unterschätzt hat – das Streben nach Vollkommenheit, Wissen und Tat.

Der Schluss des „Faust“ ist daher kein Triumph über den Teufel im engeren Sinne, sondern ein Hymnus auf den unerschütterlichen menschlichen Willen. Goethe lässt Faust am Ende nicht ruhen, sondern weiterdrängen – und so wird aus einer Tragödie letztlich eine Hoffnung.

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