Die höchsten Zinssätze in der Geschichte der Bundesrepublik
Wer sich heute über niedrige Zinsen wundert, sollte einen Blick in die Vergangenheit werfen. In den vergangenen Jahrzehnten erlebte Deutschland Phasen, in denen Sparen deutlich lukrativer war – aber auch Kredite teurer. Der höchste langfristige Zinssatz in der Bundesrepublik wurde nicht in den 1950er-Jahren erreicht, als die Wirtschaft blühte, sondern viel später, in Zeiten großer wirtschaftlicher Unsicherheit.
Zwischen 1970 und 1974 lag die durchschnittliche Verzinsung von langfristigen Staatsanleihen bei beeindruckenden 8,9 Prozent. Dies war eine Reaktion auf die angespannte Lage: Ölkrise, hohe Inflation und steigende Staatsausgaben sorgten dafür, dass Anleger mehr Rendite verlangten. Ein ähnliches Bild zeigte sich erneut zwischen 1980 und 1984, als der Zinssatz erneut auf durchschnittlich 8,8 Prozent stieg. Damals kämpften die Zentralbanken weltweit gegen die Inflation – in Deutschland mit deutlichem Zinsschlag.
Verglichen damit wirken die Jahre 1955 bis 1959 mit einer durchschnittlichen Verzinsung von 6,4 Prozent zwar ebenfalls hoch, doch sie wurden später deutlich übertroffen. Interessant ist, dass diese Zinsspitzen nicht in Zeiten von Wohlstand entstanden, sondern in Perioden wirtschaftlicher Turbulenzen, in denen das Vertrauen in die Währung auf dem Prüfstand stand.
Heute liegen die Zinsen oft nahe null – eine Kehrtwende gegenüber den hohen Raten der 1970er und 1980er. Wer damals sparte, konnte vom Zins am Ende des Jahres deutlich profitieren. Ein Gutteil dieser Zeit ist heute vor allem für Historiker und sparsame Zeitzeugen von Interesse.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Seien Sie der Erste.