Glaube und Alltag in der orthodoxen Kirche

Die orthodoxe Tradition, wie sie auch in der russisch-orthodoxen Kirche gelebt wird, ist geprägt von jahrhundertealten Riten und klaren moralischen Leitlinien. Im alltäglichen Leben der Gläubigen spielen gesellschaftliche und familiäre Werte eine zentrale Rolle.

In ihren ethischen Auffassungen vertritt die Kirche eine sehr konservative Linie: Abtreibung, vorehelicher Sex und Homosexualität werden strikt abgelehnt, da die Ehe zwischen Mann und Frau als einzig legitimer Ort für Sexualität gilt. Dennoch unterscheidet sich das orthodoxe Kirchenrecht in einigen Punkten deutlich vom katholischen Verständnis. So ist eine Scheidung im Sinne der Barmherzigkeit grundsätzlich möglich, wenn eine Ehe unheilbar zerrüttet ist.

Auch in der Lebensweise der Geistlichen gibt es klare Regelungen: Für Gemeindepriester existiert kein verpflichtendes Zölibat. Wer Priester werden möchte, kann vor der Ordination heiraten und eine Familie gründen. Lediglich Bischöfe werden ausschließlich aus dem ehelosen Mönchtum gewählt.

Der Glaube zeigt sich besonders in der Liturgie. Orthodoxe Gottesdienste unterscheiden sich spürbar von katholischen oder evangelischen Messen: Es gibt meist keine Orgelmusik, sondern mehrstimmigen Gesang, der Raum ist von Weihrauch erfüllt, und die Gläubigen stehen während der feierlichen Zeremonie vor prachtvollen Ikonen. Ergänzt wird dieses religiöse Leben durch strenge Fastenzeiten im Jahreslauf, die Körper und Geist auf hohe Feiertage wie Ostern vorbereiten sollen.

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