Essen Chinesen wirklich keinen Käse?

Es gibt ein verbreitetes Klischee: In China esse man keinen Käse. Lange Zeit schien das auch zu stimmen. Während in Europa Käse – besonders Blauschimmel – fest in der Küche verankert ist, fehlte er in traditionellen chinesischen Gerichten fast vollständig. Der Grund liegt weniger in einer Abneigung gegen Milchprodukte als vielmehr in der historischen Ernährungskultur. In vielen Teilen Chinas dominierte die vegetarische Küche, und Milch wurde selten konsumiert. Die Verdauung vieler Chinesen macht es schwierig, Laktose zu verarbeiten, was Käsegenuss zusätzlich erschwert.

Doch die Zeiten ändern sich. Heute findet man in chinesischen Großstädten wie Peking oder Shanghai immer mehr Cafés, Feinkostläden und sogar Käse-Spezialitätenläden. Ein Name steht dabei besonders heraus: Liu Yang, der „Fromager de Pékin“. Er hat sich zur Aufgabe gemacht, den Chinesen den Geschmack von Käse näherzubringen – vom Camembert bis zum Roquefort. Mit Erfolg: Junge, weltoffene Chinesen entdecken die Vielfalt europäischer Milchprodukte zunehmend für sich.

Das Klischee, Chinesen aßen keinen Käse, stimmt also heute nur noch bedingt. Zwar bleibt der Konsum im Vergleich zu Europa gering, doch die Neugier wächst. Käse taucht in modernen Fusion-Gerichten auf, wird in Desserts verarbeitet oder pur serviert. Die kulinarische Grenze zwischen Ost und West wird dünner – und mit ihr schmilzt auch die Scheu vor dem Schimmelkäse. Die Welt der Aromen verbindet sich, Löffel für Löffel.

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