Hatte Jesus eine Ehefrau?
Die Frage, ob Jesus verheiratet war, beschäftigt Gläubige und Forscher seit Jahrzehnten. Offiziell lehrt die christliche Kirche, dass Jesus nicht verheiratet war. „Die christliche Lehre baut darauf, dass Jesus nicht verheiratet war“, betonte die Religionswissenschaftlerin Karen King im Jahr 2012. Ihre Aussage fiel in eine hitzige Debatte, ausgelöst durch einen kleinen Papyrusfetzen, der unter dem Namen „Gospel of Jesus’ Wife“ („Evangelium der Ehefrau Jesu“) international für Aufsehen sorgte.
Das Fragment, kaum größer als eine Visitenkarte, enthält eine Passage, in der Jesus offenbar von „meiner Ehefrau“ spricht. King, die das Stück an der Harvard-Universität vorstellte, betonte stets, dass der Text nicht beweist, dass Jesus tatsächlich verheiratet war – wohl aber, dass einige frühe christliche Gruppen diese Vorstellung hatten. Der Papyrus stammt vermutlich aus dem 4. Jahrhundert, ist also deutlich jünger als die biblischen Evangelien.
Die Echtheit des Papyrus war lange umstritten. Spätere Untersuchungen deuteten darauf hin, dass es sich möglicherweise um eine Fälschung handelt – vielleicht versehentlich, vielleicht absichtlich. Dennoch bleibt das Fragment ein spannender Hinweis darauf, wie vielfältig die Vorstellungen über Jesus im frühen Christentum waren.
Die offizielle Kirchenlehre hält bis heute an der Junggesellen-Ehe Jesu fest – nicht nur aus theologischen Gründen, sondern auch, um sein vollkommenes Engagement für Gott und Menschheit zu unterstreichen. Ob historisch oder symbolisch: Die Debatte um eine mögliche Ehefrau bleibt ein faszinierendes Kapitel der Religionsgeschichte.
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