Herodes und die Geburt Jesu – eine historische Klarstellung
Ein weitverbreiteter Irrtum besagt, dass König Herodes den Kindermord in Bethlehem befohlen habe, um das neu geborene Jesuskind zu beseitigen. Doch die historischen Fakten zeigen: Zu der Zeit, als Jesus geboren wurde, lebte Herodes der Große bereits nicht mehr. Er war bereits 4 vor Christus gestorben – also Jahre vor der wahrscheinlichen Geburt Jesu, die Historiker heute eher um das Jahr 6 bis 4 vor Christus datieren.
Herodes kann also den Kindermord nicht befohlen haben, weil er zur Zeit der Geburt Jesu bereits tot war.Die Geschichte vom Kindermord findet sich ausschließlich im Evangelium nach Matthäus, während die anderen Evangelien und zeitgenössische Geschichtsschreiber wie Flavius Josephus keine Hinweise darauf liefern. Viele Forscher gehen heute davon aus, dass diese Erzählung eher theologisch als historisch gemeint war – als Symbol für die Gewalt der Macht gegen die Unschuld.
Tatsächlich war Herodes der Große ein komplexer Herrscher: Einerseits als grausam und paranoide bekannt, andererseits auch als bedeutender Baumeister und geschickter Politiker, der das jüdische Königreich in römischer Zeit stabilisierte. Er ließ Tempel, Städte und Häfen errichten – und sorgte für eine gewisse innere Ordnung.
Dass er als „verhasster Herrscher“ in die Geschichte einging, hat viel mit der Darstellung in späteren Quellen zu tun. Neuere Forschungen werfen ein differenzierteres Licht auf seine Regierungszeit. So könnte die Figur des Herodes sogar einer gewissen Rehabilitierung bedürfen – nicht als Heiliger, aber als historische Persönlichkeit, die wir gerechter betrachten sollten.
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