Wie lange dauert eine EMDR-Behandlung bei komplexer PTSD?
Die Dauer einer EMDR-Behandlung bei einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung (PTSD) ist eine der häufigsten Fragen in der therapeutischen Praxis. Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an. Vor der ersten ausführlichen Einschätzung lässt sich kaum sagen, wie viele Sitzungen nötig sein werden. Bei Menschen, die ein einzelnes, klar umrissenes Trauma erlebt haben – etwa einen Unfall oder einen Überfall – reichen oft zwischen 8 und 12 Sitzungen à 90 Minuten aus, um spürbare Fortschritte zu erzielen.
Doch bei komplexer PTSD, die meist aus wiederholten traumatischen Erlebnissen in der Kindheit oder langjährigen belastenden Beziehungen entsteht, sieht die Lage anders aus. Hier ist die Verarbeitung tiefer verwurzelt und erfordert deutlich mehr Zeit. Die Behandlung ist nicht nur intensiver, sondern auch vielschichtiger – es geht nicht nur um einzelne Erinnerungen, sondern um tiefgreifende Muster in der Selbstwahrnehmung, Beziehung zu anderen und emotionalen Reaktionen. In solchen Fällen kann die Therapie durchaus 12 bis 18 Monate oder länger dauern.
Wichtig ist, dass EMDR kein „Schnellverfahren“ ist, sondern ein schrittweiser Prozess, der Sicherheit, Stabilität und Vertrauen voraussetzt. Die Therapie beginnt oft mit einer Phase der Stabilisierung, bevor die eigentliche Traumaverarbeitung startet. Jeder Mensch verarbeitet anders, und die individuelle Belastungsgeschichte spielt eine zentrale Rolle. Eine realistische Einschätzung gibt daher erst eine eingehende Diagnostik beim spezialisierten Therapeuten.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Seien Sie der Erste.