Die Entstehung einer Sucht: Wie schnell gerät man in die Abhängigkeit?

Die Vorstellung, dass eine Abhängigkeit von heute auf morgen entsteht, greift zu kurz. Vielmehr handelt es sich um einen schleichenden Prozess, bei dem sich das menschliche Gehirn nach und nach auf die regelmäßige Zufuhr einer Substanz einstellt. Das körpereigene Belohnungssystem wird umprogrammiert, sodass der Körper die Substanz schließlich zum vermeintlich normalen Funktionieren benötigt.

Wie viel Zeit dieser Wandel in Anspruch nimmt, hängt stark von der Art der Droge und ihrer Wirkung auf das Nervensystem ab. Bei Alkohol beispielsweise entwickelt sich eine massive Abhängigkeit oft sehr langsam. Es vergehen im Durchschnitt etwa zehn Jahre des regelmäßigen Konsums, bis sich eine chronische Suchterkrankung voll ausgeprägt hat. Diese lange Zeitspanne führt oft dazu, dass Betroffene und ihr Umfeld das Problem jahrelang unterschätzen oder verdrängen.

Ein völlig anderes Bild zeigt sich hingegen bei Substanzen wie Tabak, Heroin oder Amphetaminen. Hier besitzt der Suchtstoff ein extrem hohes Abhängigkeitspotenzial. Nach dem Konsum kommt es zu einer rasanten Veränderung der Gehirnchemie. Bei diesen Mitteln kann der Kontrollverlust und die psychische wie physische Bindung sehr viel schneller gehen – in manchen Fällen reichen bereits wenige Wochen oder gar die ersten Konsumerlebnisse, um ein starkes Verlangen zu verankern.

Letztlich zeigt die Medizin, dass kein Mensch von Natur aus gegen Suchterkrankungen immun ist. Die Kombination aus der biologischen Wirkung des Stoffes, der individuellen Genetik und persönlichen Lebensumständen bestimmt, wie schnell die Schwelle zur Abhängigkeit überschritten wird.

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