Wann und wie verwendet man das deutsche Verb „nehmen“ richtig? Dieser umfassende Ratgeber zeigt dir die wichtigsten Bedeutungen, typischen Redewendungen und den alltäglichen Gebrauch dieses vielseitigen Wortes.
Die Grundbedeutung: Sich etwas greifen oder an sich nehmen
Im Kern drückt das Verb „nehmen“ eine aktive Handlung aus, bei der man etwas mit der Hand ergreift, an sich nimmt oder in Besitz bringt. Es beschreibt einen physischen Zugriff auf Gegenstände oder das Ergreifen von Gelegenheiten.
Beispiel 1: „Er nimmt den Schlüssel vom Tisch.“ (Er greift danach und hebt ihn hoch.)
Beispiel 2: „Kannst du bitte diesen Teller nehmen?“
Neben physischen Objekten verwenden wir „nehmen“ im Alltag auch häufig für abstrakte Dinge oder Entscheidungen. Wenn du eine Wahl triffst, „nimmst“ du eine Option.
Typische alltägliche Verwendungen und Redewendungen
Im Deutschen ist „nehmen“ ein fester Bestandteil vieler Redewendungen, die man einfach auswendig lernen muss, da sie sich nicht immer wörtlich übersetzen lassen. Hier sind die gängigsten Ausdrücke:
1. Platz nehmen
Wenn du jemanden höflich aufforderst, sich zu setzen, sagst du: „Bitte nehmen Sie Platz!“ Oder informeller unter Freunden: „Nimm dir einen Stuhl.“
2. Sich Zeit nehmen
Dieser Ausdruck bedeutet, dass man sich bewusst für eine bestimmte Tätigkeit Zeit einräumt, anstatt sich zu beeilen.
„Ich nehme mir am Wochenende Zeit zum Lesen.“
3. Abschied nehmen
Ein emotionaler Ausdruck für das Verabschieden von einer Person oder einem Ort.
„Es fällt schwer, von guten Freunden Abschied zu nehmen.“
4. Ein Taxi oder öffentliche Verkehrsmittel nehmen
Im Sinne von „benutzen“ oder „in Anspruch nehmen“ verwenden wir „nehmen“ oft für Fortbewegungsmittel.
„Bei dem schlechten Wetter nehmen wir lieber den Bus.“
Grammatikalische Besonderheiten: Stammformen und Rektion
Wie viele wichtige Verben in der deutschen Sprache ist „nehmen“ ein unregelmäßiges (starkes) Verb. Das bedeutet, dass sich der Vokal im Stamm bei den verschiedenen Zeiten ändert.
Präsens (Gegenwart): ich nehme, du nimmst, er/sie/es nimmt, wir nehmen, ihr nehmt, sie/sie nehmen (Achtung: Bei „du“ und „er/sie/es“ wechselt das e zu einem i!)
Präteritum (Vergangenheit): ich nahm, du nahmst, er/sie/es nahm...
Perfekt (vollendete Vergangenheit): ich habe genommen
Die Rektion (Kasus)
Das Verb „nehmen“ verlangt in der Regel ein Objekt im Akkusativ (Wen-Fall): „Ich nehme einen Apfel.“ Manchmal tritt noch eine Dativ-Ergänzung hinzu (Wem-Fall), besonders wenn man jemandem etwas wegnimmt oder für jemanden besorgt: „Er nimmt ihm das Buch weg.“
Welcher Bereich des Verbs „nehmen“ – ob Grammatik oder feste Redewendungen – interessiert dich für den nächsten Teil am meisten?
Wann benutzt man "nehmen"? (Teil 2: Feste Ausdrücke und Redewendungen)
Im ersten Teil unserer Artikelserie haben wir uns angesehen, wie man nehmen im Alltag für physische Handlungen verwendet. Nun widmen wir uns einem Bereich, in dem das Verb unverzichtbar ist: festen Redewendungen und Kollokationen. Im Deutschen ist nehmen extrem produktiv und bildet mit Nomen feste Einheiten, die oft eine ganz eigene Bedeutung annehmen.
Wichtige Funktionsverbgefüge mit "nehmen"
Viele Ausdrücke mit nehmen drücken aus, dass man aktiv wird, eine Entscheidung trifft oder in einen Zustand übergeht. Hier sind die wichtigsten Kombinationen für fortgeschrittene Lernende:
Rücksicht nehmen: Auf andere Menschen oder die Umwelt achten (Beispiel: Bitte nimm Rücksicht auf die Nachbarn.).
Abschied nehmen: Sich offiziell von jemandem verabschieden, oft in einem emotionaleren Kontext (Beispiel: Wir mussten am Bahnhof Abschied nehmen.).
Platz nehmen: Sich hinsetzen, eine höfliche Aufforderung (Beispiel: Bitte nehmen Sie Platz.).
Teil nehmen (teilnehmen): Sich an einer Aktivität beteiligen (Beispiel: Wer nimmt am Workshop teil?).
Einfluss nehmen: Versuchen, etwas zu steuern oder zu verändern (Beispiel: Die Eltern wollen Einfluss auf die Entscheidung nehmen.).
Kontexte im Alltag und Beruf
Neben festen Phrasen begegnet uns nehmen in zahlreichen weiteren Kontexten, die man am besten als feste Vokabeln lernt:
Entscheidungen: Man trifft zwar oft eine Entscheidung, aber man kann auch Anlauf nehmen (vor einem Sprung) oder Geld in die Hand nehmen (investieren).
Gefühle und Reaktionen: Jede Kritik kann man persönlich nehmen oder hinnehmen (akzeptieren, auch wenn es schwerfällt).
Medizin und Gesundheit: Man nimmt Tabletten oder Medikamente ein, um gesund zu werden.
Zusammenfassung
Das Verb nehmen ist weit mehr als nur das Greifen nach einem Gegenstand. Ob in festen Verbindungen wie Rücksicht nehmen oder bei abstrakten Konzepten – es verleiht der deutschen Sprache Dynamik und Präzision. Wer diese Wendungen aktiv übt, spricht und schreibt schon bald deutlich natürlicher.
Tipp für Lernende: Versuchen Sie nicht, nehmen wortwörtlich in Ihre Muttersprache zu übersetzen. Lernen Sie die oben genannten Kombinationen am besten direkt als ganze Wortblöcke!
Welcher dieser Ausdrücke fällt dir im Alltag am schwersten zu benutzen?
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