Was ist Schikane am Arbeitsplatz? (Teil 1)

Der Begriff Schikane am Arbeitsplatz – im alltäglichen Sprachgebrauch sowie in der Rechtsprechung oft als Mobbing bezeichnet – beschreibt weit mehr als nur gelegentliche Meinungsverschiedenheiten oder einen rauen Umgangston zwischen Kollegen. Es handelt sich dabei um ein systematisches, wiederholtes und fortgesetztes Anfeinden, Ausgrenzen oder Diskriminieren eines Beschäftigten durch Vorgesetzte, Kollegen oder Untergebene.

Das Hauptkennzeichen von Schikane ist ihre Dauerhaftigkeit und die gezielte Intention, das Opfer psychisch zu schwächen, zu isolieren oder im schlimmsten Fall aus dem Betrieb zu drängen.

Abgrenzung: Wann fängt Schikane an?

Nicht jede unangenehme Kritik, jeder stressbedingte scharfe Tonfall oder eine berechtigte Leistungsabmahnung fällt direkt unter den Begriff der arbeitsrechtlichen Schikane. Arbeitsrechtlich ist zu unterscheiden zwischen:

  • Normalen Konflikten: Sie entstehen im Arbeitsalltag, sind meistens zeitlich begrenzt, sachlich lösbar und beinhalten keine systematische Zermürbungstaktik.

  • Schikane / Mobbing: Ein über Wochen oder Monate andauerndes Verhaltensmuster, das durch ein Ungleichgewicht gekennzeichnet ist, bei dem sich das Opfer oft in einer wehrlosen Position befindet.

Typische Erscheinungsformen im Berufsalltag

Schikanöses Verhalten zeigt sich selten in Form von einzelnen, isolierten Ereignissen, sondern summiert sich zu einem psychischen Belastungssystem. Zu den häufigsten Facetten gehören:

  1. Kommunikationssperren: Dem Betroffenen werden wichtige Informationen vorenthalten, E-Mails ignoriert oder er wird von Besprechungen ausgeschlossen.

  2. Soziale Isolation: Ignorieren im Flur, das Verbot für andere, mit der Person zu sprechen, oder gezieltes Ausgrenzen aus Pausen und Teamaktivitäten.

  3. Angriffe auf die berufliche Reputation: Verbreitung falscher Tatsachen, Gerüchte über die Arbeitsleistung oder das Privatleben, ständige öffentliche Kritik.

  4. Sinnlose oder schädigende Aufgaben: Zuweisung von unterqualifizierten, demütigenden oder absolut unlösbaren Aufgaben, um Misserfolge zu provozieren.

Wenn Schikane von Vorgesetzten ausgeht, spricht man im Volksmund auch von „Bossing“. Hierbei nutzen Führungspersonen ihre hierarchische Machtposition aus, um Druck auszuüben oder gesetzwidrige Mürbe-Taktiken anzuwenden. Die psychischen und physischen Folgen für Betroffene reichen von Schlafstörungen und ständiger Nervosität bis hin zu schweren Angstzuständen und langfristigen Krankschreibungen.

Handlungsstrategien und Prävention: So wehren Sie sich gegen Schikane

Wenn Schikane oder Mobbing am Arbeitsplatz zur Belastung wird, ist schnelles und besonnenes Handeln entscheidend. Das betroffene, oft ohnmächtige Gefühl lässt sich am besten durch eine strukturierte Vorgehensweise überwinden.

1. Beweise sichern und ein Mobbing-Tagebuch führen

Dokumentieren Sie jeden Vorfall lückenlos. Ein systematisches Tagebuch bildet das Fundament für alle weiteren Schritte.

  • Fakten festhalten: Notieren Sie Datum, Uhrzeit, genauen Ort und die beteiligten Personen.

  • Vorfall beschreiben: Was genau wurde gesagt oder getan? Gab es Zeugen?

  • E-Mails und Notizen aufbewahren: Sichern Sie beleidigende Nachrichten, ungerechtfertigte Arbeitsanweisungen oder abwertende Mails extern oder in Kopie.

2. Das klärende Gespräch suchen (wenn möglich)

In einem frühen Stadium kann ein sachliches, direktes Gespräch helfen. Schildern Sie in der Ich-Perspektive, wie bestimmte Handlungen auf Sie wirken, anstatt sofort Vorwürfe zu erheben. Nehmen Sie zu diesem Gespräch idealerweise eine Vertrauensperson als Zeugen mit.

3. Interne Anlaufstellen und Unterstützung nutzen

Häufig verläuft ein privates Gespräch im Sande oder die Situation ist bereits zu verfahren. Dann sollten Sie professionelle Hilfe innerhalb des Unternehmens hinzuziehen:

  • Betriebsrat oder Personalvertretung: Sie sind gesetzlich verpflichtet, Arbeitnehmer zu schützen und bei Konflikten zu vermitteln.

  • Personalabteilung (HR): Melden Sie formell die Vorfälle und fordern Sie arbeitsrechtliche Schritte ein.

  • Betriebsarzt oder psychosoziale Beratung: Viele größere Firmen bieten professionelle Unterstützung an, um die psychische Gesundheit zu stabilisieren.

4. Rechtliche Schritte und externe Hilfe

Fruchten die internen Maßnahmen nicht, bleibt der Gang nach außen. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) sowie das Arbeitsrecht schützen Beschäftigte vor Diskriminierung und Psychoterror. Ein Fachanwalt für Arbeitsrecht kann Sie über Unterlassungsansprüche, Schadensersatz oder eine fristlose Kündigung aus wichtigem Grund beraten. Auch externe Beratungsstellen und Mobbing-Hotlines bieten kostenlose und anonyme Erste Hilfe.

Fazit: Schikane am Arbeitsplatz ist kein persönliches Versagen, sondern ein systemisches oder menschliches Problem im Betrieb. Niemand muss feindseliges Verhalten passiv ertragen. Durch konsequentes Dokumentieren, klare Grenzen und die Nutzung rechtlicher sowie innerbetrieblicher Hilfe holen Sie sich Ihre Handlungsfähigkeit zurück.

Welche konkreten Beratungsstellen oder Institutionen in Deutschland bieten kostenlose Hilfe bei Mobbing am Arbeitsplatz an?