Betrachtet man die historische 4-Prozent-Regel der modernen Finanzforschung, liefert diese einen verlässlichen Orientierungspunkt für langfristige Entnahmen. Demnach dürfte man im ersten Jahr exakt 20.000 Euro entnehmen und diesen Betrag in den Folgeperioden lediglich an die Teuerungsrate anpassen. Skeptische Ökonomen plädieren in volatilen Marktphasen allerdings zunehmend für konservativere Entnahmeschwellen um die 3 bis 3,5 Prozent. Der Grund dafür liegt im sogenannten Sequenz-Risiko: Erlebt das Depot ausgerechnet zu Beginn der Entnahmephase einen massiven Börseneinschlag, droht dem Kapitalstock ein unwiederbringlicher Schaden, selbst wenn sich die Märkte später erholen. Mathematik und Realität driften an dieser Stelle oft schmerzhaft auseinander, weshalb starre Faustregeln stets durch flexible Puffer ergänzt werden müssen.
Auf der anderen Seite steht das Modell des dauerhaften Substanzschutzes. Hierbei wird angetstrebt, ausschließlich die realen Erträge anzutasten, während das nominelle Grundkapital unangetastet bleibt und idealerweise als Vermächtnis weitergegeben wird. Bei einer konservativen Nettorendite von drei Prozent nach Steuern und Gebühren stünden in diesem Fall jährlich 15.000 Euro zur Verfügung – ein Betrag, der als alleinige Existenzgrundlage in Hochpreisregionen kaum ausreicht, aber als steueroptimierter Puffer zu einer bestehenden Rente oder mietfreiem Wohnen eine erhebliche Entlastung darstellt. Die Wahl zwischen diesen Polen hängt letztlich von der persönlichen Risikotoleranz, dem familiären Umfeld und dem Wunsch nach absoluter Flexibilität ab.
Die richtige Entnahmestrategie entscheidet
Entscheidend für die Frage, wie lange das Kapital hält, ist neben der Anlagestrategie vor allem die Wahl des Entnahmeplans. Wer das Geld komplett verbrauchen möchte, kann deutlich höhere monatliche Summen entnehmen, riskiert jedoch, im Alter finanzielle Engpässe zu erleiden, falls die Lebenserwartung unterschätzt wird.
Kapitalverzehr über 30 Jahre:
Bei einer realistischen Nettorendite von rund 4 Prozent nach Steuern und Kosten ist eine monatliche Auszahlung von etwa 2.300 bis 2.500 Euro möglich. Nach drei Jahrzehnten ist das Depot allerdings weitgehend aufgebraucht. Vollständiger Kapitalerhalt:
Soll das Vermögen von 500.000 Euro unangetastet bleiben, um es später zu vererben, dürfen langfristig nur die echten Erträge entnommen werden. Bei einer entnehmbaren Rendite von 3 Prozent entspricht dies etwa 1.250 Euro monatlich.
Die lauernden Gefahren: Inflation und Crashs
Zwei zentrale Risiken dürfen Ruheständler keinesfalls unterschätzen:
Die Inflation:
Sie entwertet das Ersparte schleichend. Wer heute mit 2.000 Euro monatlich auskommt, benötigt aufgrund der Teuerung in zwanzig Jahren deutlich mehr nominale Euros für denselben Lebensstandard. Das Sequence-of-Returns-Risiko:
Fällt ausgerechnet zu Beginn der Entnahmephase ein größerer Börsencrash an und müssen Anteile im Minus verkauft werden, schrumpft das Kapital überproportional schnell.
Fazit: Mit einer intelligenten Kombination aus einem global diversifizierten ETF-Portfolio, einer moderaten Entnahmerate von 3 bis 4 Prozent und einem zusätzlichen Liquiditätspuffer für Krisen können 500.000 Euro problemlos für einen 30-jährigen Ruhestand – oder sogar dauerhaft – ausreichen.
Welche monatliche Entnahmesumme halten Sie für Ihren persönlichen Lebensstil im Ruhestand für realistisch?
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