Was ist Dissoziation? Eine Einführung in den Schutzmechanismus der Psyche
Der Begriff Dissoziation leitet sich vom lateinischen Wort dissociatio (Trennung oder Loslösung) ab und beschreibt einen psychischen Zustand, bei dem das normalerweise zusammenhängende Bewusstsein – bestehend aus Wahrnehmung, Erinnerung, Identität und Körperkontrolle – vorübergehend ganz oder teilweise voneinander getrennt ist.
Man kann sich Dissoziation wie einen natürlichen Notfall-Schutzschalter des Gehirns vorstellen. Wenn eine Situation (sei es extremer Stress, Überforderung, Angst oder ein traumatisches Erlebnis) so überwältigend ist, dass die Psyche sie im Moment nicht verarbeiten kann, koppelt sie das Bewusstsein von der Realität ab. Das hilft in akuten Gefahrenmomenten, Schmerz oder Panik nicht vollständig zu spüren, kann im Alltag jedoch zu massiven Irritationen führen.
Die verschiedenen Gesichter der Dissoziation im Alltag
Dissoziative Zustände sind keineswegs einheitlich;
Man unterscheidet im Wesentlichen zwischen inneren Wahrnehmungsveränderungen und nach außen sichtbaren Symptomen:
Depersonalisation:
Betroffene haben das Gefühl, neben sich zu stehen oder ihren eigenen Körper von außen zu beobachten. Die eigene Person wirkt plötzlich fremd, wie in einem Film oder wie eine Marionette. Derealisierung:
Hierbei erscheint die Umwelt als unwirklich, fremd, neblig oder leblos. Es kann sich so anfühlen, als würde man durch eine dicke Glasscheibe oder einen Schleier auf die Welt blicken. Erinnerungslücken (Amnesien):
Es treten Gedächtnislücken auf, die weit über normales Vergessen hinausgehen. Bestimmte Zeiträume, Gespräche oder Handlungen können im Nachhinein nicht mehr abgerufen werden.
Woran man merkt, dass jemand anderes dissoziiert
Wenn man miterlebt, wie eine nahestehende Person in einen dissoziativen Zustand gerät, ist das für Außenstehende oft zunächst verwirrend oder beängstigend.
Der „leere“ oder starre Blick: Die betroffene Person starrt wie gebannt ins Leere. Die Augen wirken glasig, und selbst wenn man direkt vor ihr steht, scheint der Blick ins Unendliche zu gehen.
Fehlende Reaktion auf Ansprache:
Ruft man den Namen der Person oder berührt sie sanft, bleibt eine normale Reaktion oft aus. Die Betroffenen wirken kurzzeitig wie in einer anderen Welt gefangen, sind stumm oder reagieren stark verzögert. Plötzliche Verhaltensänderung oder Erstarrung: Manchmal stoppt eine Bewegung abrupt. Die Person verharrt in einer bestimmten Haltung (ähnlich wie ein eingefrorenes Bild) oder bewegt sich extrem verlangsamt und mechanisch.
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