Einleitung: Das Rätsel um die richtige Datumsangabe
Die deutsche Sprache ist bekannt für ihre vielfältigen Nuancen, Regeln und gelegentlichen Stolpersteine. Wer einen offiziellen Brief verfasst, eine Einladung verschickt oder einen geschäftlichen Termin vereinbart, stolpert früher oder später über eine scheinbar banale Frage: Schreibt man bei einer Kombination aus Wochentag und Datum eigentlich „dem“ oder „den“?
Besonders Formulierungen wie „am Freitag dem...“ oder „am Freitag den...“ sorgen regelmäßig für Verwirrung. Selbst Profis aus dem redaktionellen Bereich oder erfahrene Lehrkräfte geraten hier gelegentlich ins Grübeln. Ist das eine reine Geschmackssache, oder gibt es eine glasklare grammatikalische Vorschrift, an die man sich halten muss?
In diesem ersten Teil unseres umfassenden Expertenratgebers beleuchten wir die Hintergründe, analysieren die grammatikalische Struktur und zeigen Ihnen, welche Varianten im offiziellen Sprachgebrauch zulässig sind.
Die Grammatik im Hintergrund: Warum der Fall entscheidet
Um zu verstehen, warum die Wahl zwischen „dem“ und „den“ überhaupt zum Thema wird, müssen wir einen kurzen Blick auf den Aufbau des Satzes werfen. Wenn wir sagen „Wir sehen uns am Freitag“, ist das Wörtchen „am“ eine Verschmelzung aus der Präposition „an“ und dem Artikel „dem“. Das Wort „an“ verlangt hier den Dativ.
Die Apposition (der nähere Zusatz):
Wenn nun direkt im Anschluss ein genaues Datum genannt wird – wie etwa der 15. März –, fungiert dieser Zusatz in der Grammatik als sogenannte Apposition. Der Kasus (der Fall): Eine Grundregel der deutschen Grammatik besagt, dass eine Apposition im genau denselben Fall (Kasus) stehen muss wie das Bezugswort.
Da der Wochentag durch das „am“ im Dativ steht, müsste die logische und rein grammatikalisch hergeleitete Konsequenz lauten: Es heißt „am Freitag, dem...“.
Sprachrealität vs. Grammatikregel: Was erlaubt ist
Trotz der klaren Herleitung aus dem Dativ hat sich im Sprachgebrauch über Jahrzehnte hinweg eine zweite Variante etabliert: „am Freitag, den...“.
Duden-Empfehlung: Der Duden, als das Standardwerk der deutschen Rechtschreibung, stuft mittlerweile beide Varianten als korrekt ein, sofern ein „am“ vorangestellt ist.
Die feste Wendung:
Der Grund für die Akzeptanz von „den“ liegt darin, dass Datumsangaben im Akkusativ (wie „den 15. März“) im Sprachgedächtnis oft als feste, unveränderliche Einheiten abgespeichert sind. Sprecher wenden die grammatikalische Kaskade des Dativs auf den eigentlichen Kalendertag schlicht seltener an.
Wichtiger Merksatz: Steht das Wochentagselement mit einem „am“, „vom“ oder „bis zum“ im Satz, dürfen Sie in der Praxis sowohl dem als auch den verwenden.
Möchten Sie im nächsten Abschnitt erfahren, wie sich die Regeln verändern, wenn das Wörtchen „am“ komplett weggelassen wird?
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