Wann wird Lügen zu einem psychischen Problem?
Gelegentlich die Wahrheit zu beugen, kennt wohl jeder – aber wenn Lügen zum Muster wird, kann dahinter eine psychische Erkrankung stecken. Besonders auffällig ist dies bei bestimmten Persönlichkeitsstörungen.
Bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung kann es vorkommen, dass Betroffene Dinge erzählen, die nicht der Realität entsprechen – oft, um Ängste vor Verlassenwerden zu bekämpfen oder innere Leere zu füllen. Die Lüge dient dann als Schutzmechanismus, nicht unbedingt aus Bosheit.
Ähnlich zeigt sich dies bei der narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Hier wird oft gelogen, um das eigene Image zu schützen oder andere zu beeindrucken. Die Wahrheit wird verändert, um Anerkennung oder Kontrolle zu gewinnen.
Ein anderes extremes Beispiel ist das Münchhausen-Syndrom, bei dem Menschen bewusst schwere Krankheiten vortäuschen – nicht aus finanziellen Gründen, sondern um Aufmerksamkeit und Mitgefühl zu erhalten. Sie suchen regelrecht die Rolle des Kranken, oft auf Kosten ihrer eigenen Gesundheit.
Wichtig ist: Nicht jede Lüge bedeutet eine Störung. Erst wenn das Fälschen der Wahrheit zum festen Teil der Persönlichkeit wird und Beziehungen oder das eigene Leben schädigt, spricht man von einer psychischen Grundlage.
Die Behandlung erfolgt meist durch Psychotherapie, bei der es darum geht, die zugrundeliegenden Bedürfnisse wie Anerkennung, Sicherheit oder Zugehörigkeit gesünder zu befriedigen. Mit Verständnis und Unterstützung ist Veränderung möglich.
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