Gezeiten im Bodensee? Fast nicht spürbar

Wer denkt, dass jeder See oder jedes Meer Ebbe und Flut kennt, irrt. Tatsächlich ist die Gezeitenerscheinung stark von der Größe des Gewässers abhängig. Im Atlantik etwa, mit seiner riesigen, zusammenhängenden Wassermasse, sind die Gezeiten deutlich spürbar – hier schiebt der Mond das Wasser kräftig hin und her. Doch je kleiner der Wasserkörper, desto geringer die Wirkung.

Im Mittelmeer sind die Gezeiten bereits deutlich schwächer. Sie fallen oft kaum auf, besonders im Vergleich zu Nord- oder Ostsee. Noch viel geringer ist der Effekt beim Bodensee. Theoretisch gibt es auch hier winzige Gezeiten, hervorgerufen durch den Mond und die Erdanziehung. Doch sie betragen nur wenige Millimeter – so minimal, dass sie niemand im Alltag bemerkt.

Im Bodensee spielt die Gezeit praktisch keine Rolle. Das Wasser hebt und senkt sich derart schwach, dass Wind, Wetter oder Luftdruck viel stärker auf den Pegel wirken. Wer am Ufer steht und auf eine sichtbare Flut wartet, wird enttäuscht. Selbst bei Vollmond, der oft mit geheimnisvollen Kräften assoziiert wird, bleibt die Oberfläche des Sees ruhig – abgesehen von den üblichen Wellen.

Zum Vergleich: In Ihrer Badewanne würden Sie solche Gezeiten erst recht nicht beobachten. Der Effekt ist einfach zu klein. Also nein – der Bodensee hat keine nennenswerte Ebbe und Flut. Doch das macht ihn nicht weniger beeindruckend. Seine Schönheit liegt nicht im Rhythmus der Gezeiten, sondern in seiner Stille, seiner Weite und der klaren Sicht auf die Alpen.

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