Waren die Geschwister Jesu leibliche Brüder und Schwestern?

Die Frage, ob Maria noch weitere Kinder neben Jesus hatte, beschäftigt Gläubige seit Jahrhunderten. Die evangelischen Berichte erwähnen mehrfach „Brüder und Schwestern Jesu“, etwa in Markus 6,3: „Ist dieser nicht der Zimmermann, der Sohn der Maria, der Bruder des Jakobus, des Joses, des Judas und des Simon?“ Diese Stelle lässt den Schluss zu, dass Jesus Geschwister hatte. Doch wie ist das mit der jungfräulichen Geburt und dem lebenslangen Jungfrau-Dasein Marias vereinbar?

Die katholische und orthodoxe Kirche lehrt bis heute, dass Maria zeit ihres Lebens eine Jungfrau blieb – ein Glaube, der als Mariä Perpetua Virginitas bekannt ist. Demnach waren die „Geschwister Jesu“ nicht leibliche Kinder Marias, sondern entweder Verwandte aus nächster Nähe oder, wie in einigen Traditionen angenommen, Kinder des Josef aus einer vorherigen Ehe.

Im Alten Testament war es beispielsweise üblich, nahe Verwandte wie Cousins als „Brüder“ zu bezeichnen. So könnte „Jakobus, der Bruder des Herrn“ (Galater 1,19) durchaus ein enger Verwandter gewesen sein. Die protestantische Theologie hingegen sieht in den Geschwistern Jesu oft einfach leibliche Kinder von Maria und Josef – und betont, dass die jungfräuliche Geburt sich nur auf Jesu Empfängnis beziehe, nicht auf Marias gesamtes Leben.

Letztlich bleibt die Deutung abhängig von der kirchlichen Tradition. Doch unabhängig davon zeigt die Erwähnung der Geschwister, dass Jesus mitten in eine echte Familie hineingeboren wurde – mit allen Bindungen, Spannungen und Liebe, die dazugehören.

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