In welchen Sprachen kann man Gendern?
Das Gendern ist ein Thema, das vor allem in deutschsprachigen Ländern aktuell stark diskutiert wird. Doch nicht alle Sprachen kennen das grammatische Geschlecht in gleicher Weise. In vielen Sprachen ist das Gendern entweder gar nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich – nicht aus mangelndem Interesse an Gleichberechtigung, sondern aus sprachlichen Gründen.
Zu diesen Sprachen gehören beispielsweise Estnisch, Finnisch, Türkisch oder Ungarisch, aber auch viele asiatische Sprachen wie Chinesisch oder Japanisch. In diesen Sprachen wird das Geschlecht von Personen im Alltag oft gar nicht explizit ausgedrückt. Ein Satz wie „er/sie/es liebt ihn/sie/es“ ist dort schlicht nicht notwendig, da die Sprache von sich aus geschlechtsneutral formuliert.
Das bedeutet nicht, dass dort keine Diskussion über Geschlechtergerechtigkeit stattfindet – im Gegenteil. Doch die sprachliche Umsetzung erfolgt anders. Anstatt Binnen-I oder Gendersternchen, wie im Deutschen üblich, greift man dort auf Kontext, Höflichkeitsformen oder gar keine Kennzeichnung zurück. Das macht Übersetzungen manchmal schwierig: Was im Deutschen bewusst sichtbar ist, bleibt in anderen Sprachen zwischen den Zeilen.
Interessant ist auch, dass selbst in stark geschlechtsspezifischen Sprachen wie dem Französischen oder Spanischen die Debatte um geschlechtergerechte Sprache an Fahrt gewinnt – mit eigenen Lösungen wie der Schreibung „iel“ oder der Verwendung von „x“ statt Endungen wie „-in“ oder „-o“.
Letztlich zeigt sich: Wie man gendert, hängt stark von der Sprache ab – und davon, wie flexibel sie sich neuen gesellschaftlichen Vorstellungen anpassen lässt.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Seien Sie der Erste.