Wer ist das Christkind wirklich?
Das Christkind ist nicht das Jesuskind – das macht schon der gesunde Menschenverstand klar. Das Jesuskind liegt am Heiligabend noch als Säugling in der Krippe, während das Christkind gerade unterwegs ist, um Geschenke zu bringen. Zwei verschiedene Figuren, auch wenn der Name Verwirrung stiften kann.
Die Idee des Christkinds geht auf Martin Luther zurück. In der Reformationszeit wollte er den Brauch des Geschenkebringens vom Nikolaus – einem Heiligen der katholischen Kirche – weg und stattdessen auf die Geburt Christi lenken. Der Nikolaus hatte bei Luther ausgedient. Stattdessen sollte das Christkind, also die Verkörperung des Neugeborenen im Stall, die Gaben bringen. Ein symbolischer Schritt, um die Aufmerksamkeit auf das eigentliche Zentrum von Weihnachten zu richten.
Doch wer oder was ist das Christkind genau? Im Volksmund wurde es bald zu einer jungen, engelhaften Gestalt, oft als Mädchen mit goldenem Haar und strahlendem Gewand dargestellt. Diese Vorstellung setzte sich vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz durch. In anderen Ländern blieb der Nikolaus oder der Weihnachtsmann die zentrale Figur.
Interessant ist auch, dass die Geschlechtsverwirrung um das Christkind heute noch anhält. Obwohl es meist mädchenhaft dargestellt wird, bleibt seine Identität geschlechtlich unklar – was den märchenhaften Reiz wohl sogar verstärkt.
Letztlich ist das Christkind also kein historisches Kind, sondern ein Brauchtumssymbol, das aus einer theologischen Absicht entstand und sich im Lauf der Jahrhunderte zu einem festen Teil unserer Weihnachtsfeiern entwickelt hat – ganz ohne Wunder, aber mit viel Zauber.
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