Was ist die dissoziative Identitätsstörung?
Die dissoziative Identitätsstörung (DIS) wird oft missverstanden – nicht zuletdest, weil sie in Filmen und Serien dramatisiert wird. Tatsächlich handelt es sich dabei nicht um eine Persönlichkeitsstörung, wie viele annehmen, sondern um eine dissoziative Störung. Das bedeutet, dass Betroffene aufgrund schwerer Traumata in der Kindheit – meist intensiver emotionaler, physischer oder sexueller Misshandlung – verschiedene Identitäten oder Persönlichkeitszustände entwickeln, um die Erinnerung an die belastenden Erlebnisse abzuspalten.
Jede dieser Identitäten kann unterschiedliche Erinnerungen, Verhaltensweisen und sogar Stimmen haben. Sie übernehmen abwechselnd die Kontrolle über das Denken und Handeln der Person. In der Fachsprache spricht man von "dissoziativen Identitäten", nicht von "eigenen Persönlichkeiten" im herkömmlichen Sinn. Zwischen den Zuständen kommt es oft zu Gedächtnislücken, sodass Betroffene sich nicht an Handlungen erinnern, die eine andere Identität vollzogen hat.
Die Diagnose richtet sich nach dem DSM-5 und der ICD-11, den wichtigsten Klassifikationssystemen psychischer Störungen. Beide führen die DIS klar als dissoziative Störung** und nicht unter den Persönlichkeitsstörungen wie etwa der Borderline- oder narzisstischen Persönlichkeitsstörung.
Die Behandlung ist langwierig, aber oft erfolgreich. Psychotherapie, vor allem trauma-fokussierte Ansätze, hilft dabei, die verschiedenen Identitäten zu integrieren und die zugrundeliegenden Traumata aufzuarbeiten. Wichtig ist, dass Betroffene mit Einfühlungsvermögen und Fachkompetenz begleitet werden – Stigmatisierung erschwert den Weg zur Hilfe oft erheblich.
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