Ist DIS eine Persönlichkeitsstörung?
Die dissoziative Identitätsstörung (DIS) wird manchmal fälschlich als Persönlichkeitsstörung eingestuft, tatsächlich gehört sie aber in die Gruppe der dissoziativen Störungen – eine eigene Kategorie psychischer Erkrankungen. Früher wurde sie als „multiple Persönlichkeitsstörung“ bezeichnet, was zu Verwirrung führte. Der Begriff ist heute veraltet, da er suggeriert, dass betroffene Menschen mehrere Persönlichkeiten im herkömmlichen Sinne hätten. Tatsächlich handelt es sich um unterschiedliche Identitätszustände oder Selbstzustände, die sich in Verhalten, Erinnerung und Wahrnehmung deutlich voneinander unterscheiden können.
Die DIS entsteht meist als Folge schwerer Traumatisierungen in der Kindheit, insbesondere emotionaler, körperlicher oder sexueller Missbrauch über einen längeren Zeitraum. Um die schmerzhaften Erlebnisse psychisch zu überleben, „spaltet“ sich das Ich ab – eine Form der extremen psychischen Flucht. Ein Zustand kann sich beispielsweise an fühlen wie ein ängstliches Kind, ein anderer wie eine distanzierte, kontrollierende Erwachsene. Diese Wechsel sind oft mit Gedächtnislücken verbunden, die für die Betroffenen sehr belastend sind.
Im Gegensatz zu Persönlichkeitsstörungen wie der narzisstischen oder borderlinetypischen Störung geht es bei der DIS nicht um stabile, langfristige Muster von Denken und Verhalten, sondern um Spaltungen des Bewusstseins und der Erinnerung. Die Therapie zielt darauf ab, die verschiedenen Zustände langsam zu integrieren, das Trauma aufzuarbeiten und ein kohärentes Selbstgefühl wiederherzustellen. Mit geeigneter Unterstützung ist eine deutliche Besserung möglich – auch wenn der Weg oft lang ist. Wichtig ist, dass Betroffene verstanden und ernst genommen werden, statt abgelehnt oder missverstanden zu werden.
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