Was ist EMDR – mehr als nur Verhaltenstherapie?
EMDR – das steht für „Eye Movement Desensitization and Reprocessing“ – ist keine reine Verhaltenstherapie, nutzt aber durchaus einige ihrer Ansätze. Es kombiniert Methoden aus der kognitiven Verhaltenstherapie mit Elementen der psychodynamischen Therapie und fügt etwas ganz Eigenes hinzu: die bilaterale Stimulation, meist durch gezielte Augenbewegungen.
Bei dieser Methode folgt der Blick des Patienten einer langsamen, wiederholten Bewegung – meist der Hand oder einem Licht – von links nach rechts. Diese Stimulation scheint das Gehirn dabei zu unterstützen, traumatische Erinnerungen neu zu verarbeiten. Die Technik basiert auf der Annahme, dass belastende Erlebnisse oft „eingefroren“ im Gedächtnis gespeichert sind und dass durch die Augenbewegungen dieser Block gelöst werden kann.
EMDR ist besonders wirksam bei Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS), hat aber auch bei Angststörungen, Depressionen oder belastenden Lebensereignissen eine wachsende Bedeutung gewonnen. Im Gegensatz zu reinen Verhaltenstherapien geht EMDR nicht nur auf Gedankenmuster und Reaktionen ein, sondern arbeitet direkt mit den sensorischen Fragmenten traumatischer Erinnerungen – Gerüche, Bilder, körperliche Empfindungen.Obwohl EMDR anfangs skeptisch beäugt wurde, stützen mittlerweile zahlreiche Studien seine Wirksamkeit. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt es bereits als Therapieoption bei Traumafolgen. Es ist also kein Ersatz für klassische Verfahren, sondern eine eigenständige, ergänzende Methode, die tiefe Verarbeitung ermöglicht – ohne stundenlang über das Trauma reden zu müssen.
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