Wenn der Kontrollzwang zur Belastung wird

Fast jeder kennt das: Einmal zurückgehen, um zu prüfen, ob die Tür wirklich abgeschlossen ist oder das Herdfeuer aus ist. Doch wenn solche Handlungen zur inneren Zwingung werden und den Alltag beherrschen, spricht man von einer Zwangsstörung. Die gute Nachricht: Ja, Kontrollzwang ist behandelbar.

Je früher Betroffene professionelle Hilfe suchen, desto besser sind die Heilungschancen. Eine wirksame Behandlungsmethode ist die kognitive Verhaltenstherapie. Dabei lernt der Mensch, seine ängstlichen, übersteigerten Gedanken zu erkennen und schrittweise durch realistischere, funktionale Denkmuster zu ersetzen. «Durch gezielte Übungen wird die Angst langsam reduziert», erklärt die Fachpsychologin Sibylle Brunner.

Ein wichtiger Schritt ist auch, sich den sogenannten Vermeidungsstrategien zu stellen – etwa, wenn jemand immer wieder kontrolliert, ob der Herd aus ist, obwohl er weiß, dass es irrational ist. In der Therapie wird gelernt, diese Rituale bewusst zu unterbrechen und mit der Unsicherheit umzugehen, ohne sich von ihr beherrschen zu lassen.

Medikamente können in einigen Fällen unterstützend helfen, sind aber keine Dauerlösung. Die Therapie zielt darauf ab, die zugrundeliegenden Gedankenmuster langfristig zu verändern. Viele Betroffene berichten nach einer erfolgreichen Behandlung von deutlicher Entlastung – auch im Alltag.

Wer merkt, dass Kontrollverhalten zur Belastung wird, sollte sich ohne Scham Hilfe holen. Mit der richtigen Unterstützung ist ein erfülltes Leben ohne ständige Zwänge möglich.

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