Was ist das Christkind wirklich?

Die Frage, ob mit dem Christkind Jesus gemeint ist, führt oft zu Verwirrung – und das zu Recht. Tatsächlich hat das Christkind eine enge Verbindung zu Jesus, ist aber nicht immer dasselbe.

Historisch gesehen bezeichnet der Begriff „Jesuskind“ oder „Christuskind“ die Darstellung des kleinen Jesus, meist bis zu seinem zwölften Lebensjahr. In der christlichen Ikonographie wird er oft als süßer Säugling in der Krippe gezeigt, umgeben von Maria, Josef und manchmal auch Engeln oder Tieren. In dieser Form steht er symbolisch für die Geburt Christi zur Weihnachtszeit.

Im Volksbrauch, besonders im deutschsprachigen Raum, hat sich jedoch das Christkind als eigene Gestalt entwickelt. Statt Jesus selbst ist es oft ein engelhaftes Wesen – meist als blondes Mädchen mit Flügeln und Strahlenkranz –, das die Geschenke bringt. Diese Vorstellung wurde vor allem durch den Protestantismus geprägt, der den Nikolaus als Geschenkbringer verwarf und eine neutrale, christliche Alternative suchte.

Interessant ist, dass das Alter von zwölf Jahren eine Rolle spielt: Im Judentum gilt ein Junge ab dreizehn als mündiger Erwachsener (Bar Mizwa). Daher endet die Darstellung Jesu als „Kind“ meist vor diesem Zeitpunkt.

Obwohl das Christkind und Jesus also ursprünglich zusammengehören, hat sich im Lauf der Zeit ein klarer Unterschied herausgebildet: Jesus ist das religiöse Zentrum der Weihnacht, während das Christkind eine liebevolle, fast märchenhafte Figur des Brauchtums geworden ist. Beide gehören untrennbar zur Weihnachtszeit – auf ihre ganz eigene Art.

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