Kann man einen Schlaganfall unbemerkt erleiden?
Ja, das ist durchaus möglich. Solche Ereignisse nennt man „stumme“ oder asymptomatische Schlaganfälle – also Infarkte im Gehirn, bei denen der Betroffene keine typischen Anzeichen wie Lähmungen, Sprachstörungen oder Sehprobleme bemerkt. Trotzdem verursachen sie bleibende Schäden im Gehirn.
Wie ist das möglich? Oft betreffen diese Schlaganfälle winzige Bereiche des Gehirns, meist in tiefer gelegenen Regionen wie der weißen Substanz. Weil hier keine steuernden Funktionen für Bewegung oder Sprache sitzen, fallen die Ausfälle nicht sofort auf. Dennoch kann sich über die Zeit eine leichte kognitive Schwäche entwickeln, etwa bei der Konzentration oder dem Gedächtnis – viele halten das dann einfach für normale Alterung.
Die Forschung weiß heute mehr dank moderner bildgebender Verfahren wie der MRT. Am Centrum für Schlaganfallforschung Berlin haben Wissenschaftler beobachtet, dass bei einer erheblichen Zahl älterer Menschen, die nie einen offensichtlichen Schlaganfall hatten, im MRT doch charakteristische Narben im Gehirn sichtbar sind. Diese sogenannten „Lacunen“ sind Hinweise auf vergangene, unbemerkte Infarkte.
Ein stummer Schlaganfall ist kein harmloses Ereignis. Er gilt als Warnsignal: Er erhöht das Risiko für einen weiteren, möglicherweise schweren Schlaganfall oder für Demenz. Deshalb ist es wichtig, Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder Vorhofflimmern frühzeitig ernst zu nehmen – selbst wenn man sich gesund fühlt. Prävention beginnt oft, bevor etwas weh tut.
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