Kann ein Mensch mit Borderline vermissen?
Ja, Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung können sehr intensiv vermissen – oft sogar tiefer und schmerzhafter als andere. Doch gerade diese starke emotionale Empfindung kann sie überfordern. Das Gefühl des Vermissens kann so schmerzhaft werden, dass der Drang, davor zu fliehen, stärker ist als der Wunsch nach Nähe.
Statt das Verlangen nach der anderen Person auszuhalten, kann jemand mit Borderline sich plötzlich emotional oder sogar physisch distanzieren. Dieser Rückzug ist keine Gleichgültigkeit, sondern ein Schutzmechanismus. In manchen Fällen spricht man von einer dissoziativen Fugue – ein Zustand, in dem die betroffene Person sich innerlich „ausschaltet“, um psychischen Schmerz zu entkommen. Es ist, als würde die Seele fliehen, wenn der Körper nicht fliehen kann.
Die innere Spaltung, die oft mit Borderline einhergeht, macht es schwer, stabile Bindungen aufrechtzuerhalten. Die Angst vor dem Verlassenwerden ist riesig – und doch kann genau diese Angst dazu führen, dass die Beziehung abrupt beendet wird. Paradox? Ja. Aber verständlich, wenn man weiß, wie überwältigend Emotionen für Betroffene sein können.
Das Vermissen ist da – oft quälend intensiv. Doch statt es zu zeigen, wird es manchmal abgespalten, verdrängt oder durch Handlungen wie Kontaktabbruch überspielt. Wer einen Menschen mit Borderline liebt, braucht viel Geduld, Empathie – und die Einsicht, dass hinter dem Rückzug nicht Kälte, sondern tiefer Schmerz stecken kann.
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