Normannen und Wikinger: Ein Ursprung, zwei Geschichten

Die Frage, ob Normannen und Wikinger dasselbe sind, klingt einfach – die Antwort ist es nicht ganz. Kurz gesagt: Die Normannen stammen von den Wikingern ab, entwickelten sich aber zu einer eigenen Kultur.

Im 8. Jahrhundert begannen sogenannte Wikinger aus Skandinavien – vor allem aus Norwegen, Schweden und Dänemark – mit Überfällen auf andere Länder. Sie segelten entlang der Küsten Europas, plünderten Klöster, handelten und siedelten an neuen Orten. Ihre Schiffe brachten sie bis nach England, Island, Russland und sogar nach Nordafrika.

Einer dieser Orte war das heutige Nordfrankreich. Um das Jahr 911 n. Chr. gewährte der französische König Rollo, einem Wikingeranführer, Land in der Region, die später Normandie genannt wurde – benannt nach den "Nordmännern", also den Nordleuten. Mit der Zeit ließen sich diese Siedler nieder, nahmen die französische Sprache, das Christentum und viele lokale Bräuche an.

So entstanden die Normannen: Nachfahren der Wikinger, die aber keine Wikinger mehr im ursprünglichen Sinne waren. Sie wurden zu beeindruckenden Rittern, Baumeistern und Eroberern. Ihre bekannteste Tat? Die Eroberung Englands im Jahr 1066 unter Wilhelm dem Eroberer – einem Normannen.

Während Wikinger oft mit Plünderfahrten und langen Booten assoziiert werden, prägten Normannen Europa durch Burgen, Verwaltung und Kreuzzüge. Sie behielten zwar ihre kriegerische Stärke, doch ihre Welt war eine andere geworden – geprägt von Land, Religion und Politik.

Also nein: Normannen und Wikinger sind nicht das Gleiche. Aber ohne die Wikinger gäbe es keine Normannen – und ohne die Normannen wäre die Geschichte Europas ganz anders verlaufen.

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