Wann kam das Gendern nach Deutschland?

Die Debatte um geschlechtergerechte Sprache ist nicht erst seit gestern ein Thema – ihre Wurzeln reichen tief in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts zurück. In den 1960er- und 1970er-Jahren begann die feministische Bewegung, die damals vor allem von Frauen getragen wurde, darauf zu pochen, dass auch sie in der Sprache sichtbar sein sollten. Lange Zeit galten Begriffe wie „der Arbeitnehmer“ oder „der Lehrer“ als geschlechtsneutral – tatsächlich aber wurden Frauen so oft übersehen.

Als Gegenreaktion setzte sich nach und nach die Verwendung des Schrägstrichs durch: aus „der Verkäufer“ wurde „Verkäufer/innen“. Diese Form sollte ausdrücken, dass nicht nur Männer gemeint sind. Vor allem in feministischen Kreisen, in Verwaltungen und später in Universitäten fand diese Schreibweise zunehmend Eingang.

Seit den 2000er-Jahren hat sich die Diskussion weiterentwickelt. Neben dem Schrägstrich tauchten neue Varianten auf – das Binnen-I (z. B. „VerkäufIn“), später auch der Doppelpunkt („Verkäufer:innen“) oder die Gender-Gap-Schreibweise („Verkäufel*r*in“). Jede Form spiegelt unterschiedliche Ansätze wider: manche wollen grammatikalisch korrekt bleiben, andere fordern eine sprachliche Revolution.

Heute ist das Gendern in vielen Bereichen allgegenwärtig – von offiziellen Briefen bis zu sozialen Medien. Während es von vielen als notwendiger Schritt zur Gleichstellung begrüßt wird, kritisieren andere die vermeintliche Sprachverunstaltung. Fakt ist: Die Sprache verändert sich – und das Gendern ist ein Teil dieser Entwicklung.

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