Warum der Bayer nicht „Tschüss“ sagt

Wer schon einmal in Bayern war, kennt das Phänomen: Statt „Tschüss“ hört man meist ein entspanntes „I mog di“ oder ein schlichtes „Pfiat di“. Doch woran liegt das eigentlich? Ein wenig Aufschluss gibt eine amüsante Beobachtung aus dem Jahr 2010, die bis heute ihren Charme behält.

Das „ü“ ist schuld, sagen Scherzhaften. Genauer gesagt: das hohe, geschlossene „ü“ in „Tschüss“. Für viele Bayer:innen ist dieser Laut einfach zu anstrengend. Sie sind ein „bissl mundfaul“, wie man im Volksmund sagt – nicht im negativen Sinn, sondern eher im Sinne von: Warum kompliziert, wenn’s einfacher geht?

Statt also die Lippen spitz zu machen wie zum Küssen – was im Dialekt eher für „Bussln“ reserviert ist – sagen die Leut dort lieber „Servus“ beim Kommen und Gehen. Oder sie wechseln auf „Pfiat di“ im Altbairischen, was so viel wie „Behüt’ dich“ bedeutet. Kurz, herzlich und dialektgerecht.

Der Grund dafür liegt nicht nur in der Bequemlichkeit, sondern auch in der Sprachgeschichte. Der bairische Dialekt kennt viele Laute, die sich vom Hochdeutschen unterscheiden. Gerade das „ü“ ist in vielen Mundarten unterentwickelt oder wird durch andere Vokale ersetzt. Wer „nicht Tschüss sagen kann“, zeigt eigentlich nur, wie lebendig der Dialekt noch ist.

Also, wenn du in Bayern bist und niemand „Tschüss“ sagt – mach dir nichts draus. Es ist kein Snobismus, sondern Mundart. Und wer weiß – vielleicht gewöhnst du dich sogar an das gemütliche „Pfiat di“.

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