Warum ekelt uns das, was uns ekelt?

Ekel ist mehr als nur ein flaues Gefühl im Magen – er ist ein uralter Schutzmechanismus, der uns vor Schaden bewahren soll. Schon unsere Urzeit-Vorfahren zogen instinktiv das Gesicht kraus, wenn sie verdorbenes Fleisch rochen oder seltsame Substanzen sahen. Diese körperlichen Reaktionen sind bis heute weltweit ähnlich: das Zusammenziehen des Magens, das Wegdrehen des Kopfes, manchmal sogar das Würgen.

Doch was genau uns auslöst, ist nicht immer biologisch bedingt. Vieles, was uns ekelt, ist kulturell erlernt. Während in einem Land Insekten als Leckerbissen gelten, graust es Menschen woanders davor. Ein fauliger Geruch löst fast überall Ekel aus – aber ein stark fermentierter Fisch, wie etwa der schwedische Surströmming, teilt eine Gesellschaft: Für manche ein Genuss, für andere pure Tortur.

Forscher sehen im Ekel deshalb nicht nur einen Geschmacksschutz, sondern auch eine soziale Kontrollfunktion. Er hilft, Gruppenzugehörigkeit zu definieren: Was "wir" als normal empfinden, grenzt sich von dem ab, was "die anderen" tun. Auf diese Weise kann Ekel unbewusst Ablehnung gegenüber Fremden oder Andersartigen verstärken – sei es im Essen, im Aussehen oder im Verhalten.

So nützlich der Ekel auch sein mag: Er kann auch zu engen Grenzen führen. Denn was uns heute ekelt, war früher vielleicht überlebenswichtig – heute aber könnte es nur noch hinderlich sein. Manchmal lohnt es sich, hinter das Gefühl zu schauen: Ist es die Gefahr, die uns abstößt – oder nur der Unterschied?

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