Warum wir in der Liebe oft zu viel erwarten
Es passiert meist ganz leise: Wir beginnen, Dinge zu erwarten, die eigentlich niemand – nicht einmal ein Lebenspartner – immer erfüllen kann. Birgit Natale-Weber erklärt, dass je näher uns ein Mensch steht, desto höher auch die Erwartungen werden. Das ist menschlich. Doch was beginnt wie ein Gefühl von Verbundenheit, kann sich leicht in Enttäuschung verwandeln, wenn die Realität nicht mit den Hoffnungen mithält.
Erwartungen geben Halt, das ist wahr. Sie zeigen, was uns wichtig ist. Aber wenn sie zu hoch sind, besonders in einer Beziehung, wird das Gewicht schnell zu groß. Der andere soll nicht nur lieben, sondern auch verstehen, ohne dass wir viel sagen. Er soll da sein, genau so, wie wir es uns vorstellen – im Ton, in der Stimmung, in den Gesten. Doch niemand kann eine perfekte Projektionsfläche sein, und genau das verlangen hohe Erwartungen oft.
Gerade in Partnerschaften, wo Nähe und Vertrauen wachsen, neigen viele dazu, den anderen idealisiert zu sehen. Man wünscht sich, dass der Partner oder die Partnerin nicht nur ein Gegenüber, sondern eine Ergänzung des eigenen Ichs ist. Er soll alles richtig machen – einfach, weil er "es doch wissen müsste". Doch das ist ein unfairer Maßstab. Liebe lebt nicht von Erfüllung aller Wünsche, sondern von Akzeptanz, Kommunikation und dem Raum, auch mal danebenzugreifen.
Die Erkenntnis, dass zu hohe Erwartungen oft aus Verletzlichkeit entstehen, ist der erste Schritt. Statt zu fragen, warum der andere nicht genug gibt, lohnt es sich, zu fragen: Was erwarte ich wirklich – und warum?
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